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		<title>Sprichwort &amp; Redensart | Virtuelles Walsermuseum</title>
		<link>https://www.walsermuseum.ch/?id=36</link>
		<description></description>
		<pubDate>Sun, 10 May 2026 14:27:04 +0200</pubDate>
		<category>Virtuelles Walsermuseum</category>
		<item>
			<link>https://www.walsermuseum.ch/soziales-wirken/sprichwort-redensart/sprichwertliche-redunsartae-60</link>
			<title>Sprichwertliche Redunsartä</title>
			<description>&lt;p&gt;Die Redensarten werden jeweil in den passenden Kontext eingefügt und werden so nahtlos in den Redefluss eingebaut: z.B. &lt;strong&gt;... in Aarsch blaasu...&lt;/strong&gt;, in den Arsch blasen, Ablehnung, Verneinung, Ausdruck der Interesselosigkeit; jetz han i gnüeg va dier, jetz chascht du mich in Aarsch blasu; Jetzt habe ich genug von dir, jetzt will ich mit dir nichts mehr zu tun haben.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Seit 1973 ist für solche sprichwörtlichen Redensarten, wie sie die Germanisten nennen, &amp;bdquo;Der Röhrich&amp;ldquo; das Nachschlagewerk der Wahl. Die aktuelle Ausgabe &amp;bdquo;Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten&amp;ldquo; von Lutz Röhrich (5 Bände) erklärt rund 15.000 deutsche Redensarten.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;(Etwas, eppis, alles) ...&lt;strong&gt; in du Aarsch stoossu..&lt;/strong&gt;.; ... in den Arsch stossen, aufdrängen, verwöhnen, als Variante: Schii tient mu alls&lt;strong&gt; ins Fittlo stoossu&lt;/strong&gt;. Sie verwöhnen ihn allzusehr.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;... ischt erhanet..&lt;/strong&gt;.; ... ist erhahnt (der Hahn legt keine Eier); etwas kommt nicht so heraus, wie man es erwartet.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;... gaa wie dum Fäärli an Triichja&lt;/strong&gt;..., oder &lt;strong&gt;...dum a Schwii an Walliserhüet ..&lt;/strong&gt;.; etwas passt wie einem Schwein eine Treichel oder wie einem Schwein ein Walliser-Trachtenhut.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;... d Väschpre vorr dum Amt ha...&lt;/strong&gt;; ... Vesper vor dem Amt haben...; etwas nicht in der richtigen Reihenfolge erledigen, oder wenn der Unterrock unter dem Rock hervorguckt.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;... dum Fass der Bodo üsslschlaa...&lt;/strong&gt;, ... Fass den Boden auschlagen...; gleich wie ... den Bogen überspannen, jetzt ist es genug; vgl. auch ...&lt;strong&gt; jetz isch de gnüeg Heww unnuna...&lt;/strong&gt;, jetzt ist genug Heu unten; es reicht jetzt.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;... di Glotza nit üffbringu, di Glotza üfftüe...&lt;/strong&gt;, die Aufgen nicht aufbekommen (verkatert oder verschlafen sein), die Augen öffne.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;... ds Müll bscheibu...&lt;/strong&gt;, den Mund stopfen (am Reden hindern, Reklamationen unterbinden&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;... wie an Waalt va Laffu...&lt;/strong&gt;, wie ein Wald vom saufen, sehr viel, enorm; als Vergleich für übertriebenes Getue.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;... gägu du Maano schiffu...&lt;/strong&gt;, gegen den Mond pissen; etwas Unmögliches, Törichtes versuchen. Variante: &lt;strong&gt;... gägu du Wint schiffu...&lt;/strong&gt;, gegen den Wind pissen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;... Düüdel zeigu,&lt;/strong&gt; eine lange Nase drehen; jemanden verspotten.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;... sus eim sälber verlöüffu...&lt;/strong&gt;,&amp;nbsp; es sich selbst verlaufen; sich selbst behindern.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;... d Vernüüft unner de Schüesolu ha...&lt;/strong&gt;, die Vernunft unter den Schusohlen tragen; dumm, unvernünftig sein, aber auch: kein Fingerspitzengefühl.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;... schich sälber unner de Fiessu sii...&lt;/strong&gt;, über die eigenen Füsse stolpern; unbeholfen, ungeschickt sein; sich selbst behindern. Varianten: &lt;strong&gt;... schich sälber im Wägg sii...,&lt;/strong&gt; sich selber im Wege stehen; &lt;strong&gt;... schich nit chännu unner de Fiessu a fort fliee&lt;/strong&gt;, sich selbst&amp;nbsp; nicht unter den Füssen fliehen können.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;... no Form, no Gattig ha&lt;sup&gt;(n)&lt;/sup&gt;...&lt;/strong&gt;; noch Form, noch Gattung (Art) haben...; etwas Unordentliches, etwas das nicht zusammen passt, geschmacklos sein.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;... schich fer as Füüfi laa in du Seckil stächu...&lt;/strong&gt;, sich für einen Fünfer durch den Seckel (Hodensack) stechen lassen..., für Geld alles tun.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Letzte Bearbeitung: VS. 12. 12. 11&lt;/p&gt;
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			<pubDate>Tue, 02 Feb 2021 00:00:00 +0100</pubDate>
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		</item>
		<item>
			<link>https://www.walsermuseum.ch/soziales-wirken/sprichwort-redensart/tadulndi-sprichwerter-59</link>
			<title>Tadulndi Sprichwerter</title>
			<description>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Mu selle nit aalti Chatze leerru Müüsu.&lt;/strong&gt; Man soll nicht alte Katzen das Mausen lernen. (Wander, II/1183/352). Es ist verschwendete Mühe, einem Erfahrenen Bekanntes beibringen zu wollen. Variante: ... &lt;strong&gt;an Groosmüeter leerru Chinder machu;&lt;/strong&gt; ... eine Grossmutter lernen Kinder zeugen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Jedum Lappi schiis Chappi.&lt;/strong&gt; Jedem Narren seine Kappe (Wander 2/1791/9)&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Weer nit chunt zer rächtu Ziit, deer müess nä, was ubrig bliipt.&lt;/strong&gt; Wer nicht kommt zur rechten Zeit, der muss nehmen, was übrig bleibt. (Wander, 2/1472/180)&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Brämiseru Chint, daa mu schi laat, daa mu schi fint.&lt;/strong&gt; &amp;quot;Brämiserus&amp;quot; = Orts- (Brämis) oder Familienname - Kinder, wo man sie lässt, findet man sie wieder. Kinder, Leute ohne Eigeninitiativer. Dem Dummen muss man den Weg vorzeigen. Variante: &lt;strong&gt;Wa mu ds Schwii am Morgu tüet, am Aabut no fint.&lt;/strong&gt; Wo man das Schwein am Morgen hinbringt, dort findet man es am Abend auch wieder.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Was glaffu hescht, chascht nimme frässu.&lt;/strong&gt; Was du versoffen hast, kannst du nicht mehr fressen. Wer seinen Besitz&amp;nbsp; versoffen hat, nagt am Hungertuch. Was man verschwendet hat, fehlt später.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;We der de diis Chooru Broot git, sparscht de besser.&lt;/strong&gt; Wenn dir dann das eigene Korn Brot gibt, dann sparst du besser. Wenn das Geld aus dem eigenen Geldsack kommt, lässt sich leichter sparen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Het der Trissil an Sakchüürschlissil, het der Göüch an Uberrock öü.&lt;/strong&gt; Hat der Tölpel eine Uhrenkette, hat der Narr einen Überrock auch. Eine Unnötigkeit übertrumpf die andere. Dieses Sprichwort passt sehr gut in die heutige Zeit, wo Influencer dir jeden Tag etwas Neues (überflüssiges) zeigen, das du unbedingt haben musst.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;We eine niin Wiibohit uff der Axla bringti, so löüffti mu die zäänta no naa.&lt;/strong&gt; Wenn einer neuen Weiberhäut auf der Schulter brächte, so liefe ihm die zehnte (Frau) noch nach. Spott über Mädchen und Frauen, die immer wieder auf die gleiche falsche Charme hereinfallen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Letzte Bearbeitung: VS, 5. 02. 19&lt;/p&gt;
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			<pubDate>Tue, 02 Feb 2021 00:00:00 +0100</pubDate>
		</item>
		<item>
			<link>https://www.walsermuseum.ch/soziales-wirken/sprichwort-redensart/raatschlaeg-57</link>
			<title>Raatschläg</title>
			<description>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Bi de Aaltu ischt mu ghaaltu. &lt;/strong&gt;Bei den Alten ist man gehaltenDieses Sprichwort finden wir wörtlich bei &amp;#39;,&amp;#39;lander; 2 Bd. I/56/10:&amp;quot;Bei Alten wird .(Weitere Belege finden sich bei Stucki,3 9 und Barberis4 ) Es will erstensmal sagen, dass man bei den alten Leuten gut aufgehoben ist, sie helfen,durch ihre Erfahrung, mit Rat und Verständnis. Zweitens und viel häufiger versteht man darunter, dass man beim Alten weiss was man hat, man wird bei Bekanntem nicht enttäuscht und geht kein Risiko ein.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Ds Amt müess du Ma süechu und nit der Ma ds Amt. &lt;/strong&gt;Das Amt muss den Mann suchen und nicht der Mann das Amt. Wir finden dieses Sprichwort bei Wander, 1/71/59: &amp;quot;Man muss die Aemter den Leuten und nicht die Leute den Ämtern geben.&amp;quot; und im gleichen Sinne, aber in etwas anderer Form bei Nr. 83: &amp;quot;Jedes Amt bedarf eines eigenen Mannes&amp;quot;. Dieses Sprichwort zielt,gegen Protektion, Ämterkauf und Erschleichung von Ämtern, gegen das &amp;quot;erben&amp;quot; von Ämtern, gegen die &amp;quot;Vetternwirtschaft`&amp;#39;. Seine Aussage ist eindeutig und ohne Erklärung verständlich.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Äss ischt kchei Vogil no so hooch gflogu, är heigi nit Bodo bizogu.&lt;/strong&gt; Es ist kein Vogel noch so hoch geflogen, er hätte nicht Boden bezogen. (Wander I/1069/3) in der Bedeutung von &amp;quot;Hochmut kommt vor dem Fall&amp;quot;; Varianten: .&lt;strong&gt;.. ooni Fäcka, äär sii nit gfallu in di Dräcka;&lt;/strong&gt; ... er sei nicht gefallen in den Dreck (hier wie die Sprache des Reimes willen doch arg verbogen); &lt;strong&gt;..., äär sii nit zrug cho;&lt;/strong&gt; ... er sei nicht zurück gekommen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Wiit vam Gschitz git aalti Chrieger.&lt;/strong&gt; Weit vom Geschütz gibt alte Krieger (Wander 1/1620/4).&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Ds Güet kcheert dum Aarbeiter.&lt;/strong&gt; Das Gut gehört dem Arbeiter. (Wander, 2/186/30) Dieses Sprichwort vertritt schon fast sozialistische Forderungen, aber mit &amp;quot;Arbeiter&amp;quot; ist her nicht der sozialistische Industriearbeiter (Proletarier) gemeint, sonder der werktätige Mensch, insbesondere der fleissige Bauer.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Jedes müess vorr schiiner Poort wischu&lt;/strong&gt;. Jeder wische vor seiner Tür. (Wander, 2/1009/40)&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Wass nit ischt, cha no wäärdu&lt;/strong&gt;. Was nicht ist kann noch werden (Wander, 4/522/60) Ausdruck der Zuversicht, des Optimismus.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Uff an grobe Chlotz kcheert an grobe Kcheil.&lt;/strong&gt; Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil. (Wander, 2/1405/1)&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Der Lachunde springt uber ds eigunt Grap.&lt;/strong&gt; Der Lachende springt über das eigene Grab. (Wander, 2/1750/2). Der Optimist, wer es locker nimmt, bewältigt die Alltagsprobleme viel leichter.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Wer ee meet, der mee meet.&lt;/strong&gt; Wer eher mäht, mäht mehr. (Wander, 3/338/6). Wer fleissig ist und früh beginnt, erreicht mehr.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Nitzots nit, so schadots nit&lt;/strong&gt;. Nützt es nicht, so schadet es auch nicht. (Wander, 3/1082/12). Bringt es keine Vorteile (z.B. Nutzen von Medizin), so bring es auch keine Nachteile. Man miuss etwas zuerst versuchen, bevor man ablehnt.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Mu soll Nooluvolch nit halpgmachti Aarbeit zeigu.&lt;/strong&gt; Man darf Narrenvolk nicht halbfertige Arbeit zeigen. (Wander, 3/914/835). Wer die Übersicht nicht hat, wer von einer Sache nichts versteht, dem sollte man keine unfertigen Arbeiten (Pläne, Projekte etc.) vorlegen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Di niwwu Bäse wische wool, dass mu di aaltu nit verwäärfu soll.&lt;/strong&gt; Die neuen Besen kehren (zwar) gut, man soll (aber) die alten nicht wegwerfen. (Wander, 1/323/31), direkt: man soll alte Sachen nicht zu früh wegwerfen, vielleicht brauch man sie wieder; übertragen: man soll die Alten (alte Leute) nicht &amp;#39;abseits&amp;#39; stellen, denn ihre Erfahrungen und ihre Ratschläge können manchmal von grossem Nutzen sein.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Letzte Bearbeitung: VS, 5.02.19&lt;/p&gt;
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			<pubDate>Tue, 02 Feb 2021 00:00:00 +0100</pubDate>
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		</item>
		<item>
			<link>https://www.walsermuseum.ch/soziales-wirken/sprichwort-redensart/troscht-chlag-58</link>
			<title>Troscht &amp; Chlag</title>
			<description>&lt;p&gt;Es gibt aber auch Sprichwörter, die wollen in gewissen Situationen &lt;strong&gt;Trost &lt;/strong&gt;spenden:&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Keis fer du&amp;#39; Himmil, keis fer d Hell&lt;/strong&gt;. Hab ich keines für den Himmel, habe ich wenigstens auch keines für die Hölle; als Trost der Kinderlosen. Andere klagen: &lt;strong&gt;Der aalt Tagg ischt as Blagg&lt;/strong&gt;. Das Alter ist etwas Schlechtes.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Chleinig Gloggiltini teenunt öü. &lt;/strong&gt;Kleine Glocken tönen auch. (Wander, I/1726/51) Auch der Klein, der Schwache kann sich durchsetzen; dessen Leistung ist wertvoll. Variant: &lt;strong&gt;Chleini Güege machunt öü Mischt.&lt;/strong&gt; Kleine Tiere machen auch Mist.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Uff an grobe Chlotz keert an grobe Kcheil&lt;/strong&gt;. Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;In der Noot frisst der Tiifil Fleige. &lt;/strong&gt;In der Not frisst der Teufel Fliegen. (Wander, 3/1047/81). In der Not ist man zu allem bereit.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Kei Rägo ooni Sägo&lt;/strong&gt;. Kein Regen ohne Segen. (Wander, 3/1559/76). Es gibt kein Missgeschick, Unglück ohne einen gewissen Nutzen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;letzte Bearbeitung; VS. 12. 12. 11&lt;/p&gt;
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			<pubDate>Tue, 02 Feb 2021 00:00:00 +0100</pubDate>
		</item>
		<item>
			<link>https://www.walsermuseum.ch/soziales-wirken/sprichwort-redensart/warnundi-sprichwerter-55</link>
			<title>Warnundi Sprichwerter</title>
			<description>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Verdäärbu will Raat ha.&lt;/strong&gt; &amp;#39;Verderben will Rat haben&amp;#39;.&amp;nbsp; Bei Wander, IV/1535/21: &amp;quot;Verderben will Rath han.&amp;quot; Die Bedeutung dieses Sprichwortes scheint nicht mehr ganz klar zu sein: alles Unheil beginnt bei einem Rat, meinen die einen, oder willst du in einer Arbeit, einer Sache versagen, soll dir ein Werk nicht gelingen, dann tue nur das, was man dir rät.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;We d Aarmüet zer Poort i chunt, fleigt d Liebi zum Pfeischter üss.&lt;/strong&gt; Wenn die Armut zur Türe hereinkommt, fliegt die Liebe zum Fenster aus. Bei Wanden, 1/144/175: &amp;quot;Wenn Armuth zur Thür eingeht, fliegt die Liebe zum Fenster (Tempel) hinaus.&amp;quot;(Vgl. auch Seiler: 154.) Die Liebe ist vom mate&amp;shy;riellen Wohlergehen abhängig; ein Erfahrungssatz, den uns das Sprichwort noch in anderen Variationen geben wird.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Ds Ei will immer gescheider si, wa d Hänna. &lt;/strong&gt;Das Ei will immer klüger sein als das Huhn. Dieses Sprichwort tadelt die Jungen, die vorwitzig, arrogant sich über Erfahrung, Erkenntnis hinwegsetzt; es ist töricht, wenn die Kinder klüger sein wollen, als die Eltern.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Eigulop stiicht&lt;/strong&gt;. Eigenlob stinkt (Wander, I/773/7; Lipperheide, 141) Wer sich selbst rühmt wird suspekt, dem nimmt man seine Leistung, derer er sich rühmt, nicht ab. Humorvoll wird manchmal auf diesen Vorwurf repliziert: &lt;strong&gt;Sälber schee meinu, d andru meinunt de schoo weniger.&lt;/strong&gt; Selber viel von sich halten, die anderen halten dann schon weniger von dir: man muss sich selbst in ein gutes Licht rücken, die anderen werden deine Tat dann schon schmälern.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Mu mäge alls erliidu, als di güetu Tägg nit.&lt;/strong&gt; Man kann alles erleiden, allein die guten Tage nicht. (Wander, I/843/2)&amp;nbsp; Wenn es einem gut geht, wird man übermütig, unvorsichtig. &amp;bdquo;Ist es dem Esel zu wohl, begibt er sich aufs Eis&amp;ldquo;.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Wie verwandter, wie verdammter&lt;/strong&gt;. Wie verwandter, wie verdammter. (Wander, IV/1618/1; Lipperheide, 941) Dieses Sprichwort bezieht sich zuerst einmal auf die Blutverwandten (es gibt nirgend mehr Streit, als unter Verwandten), dann aber auch auf die Umgebung, die Nachbar, auf Leute, die dem Sprecher im wörtlichen wie übertragenen Sinne &amp;bdquo;nahe&amp;ldquo; stehen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Vill will mee.&lt;/strong&gt; Viel will mehr. (Wander, IV/1634/1) Wer viel hat, will mehr haben. Dieses Sprichwort warnt vor der Gier der Menschen, materielle Werte allein können den Menschen nie befriedigen; besonders aktuell ist es in der ganzen Bonidiskussion.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Di biissundu Hint träägunt am meischtu zerschrissni Oorini.&lt;/strong&gt; Beissende Hunde tragen am meisten zerschrissene Ohren. (Wander, II/821). Variante: &lt;strong&gt;Di greegschtu Ringchie träägunt am meischtu Schurpfa.&lt;/strong&gt; Die stärksten Ringkühe (Walliser Kampkühe, Eringerrasse) tragen am meisten Streifwunden.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Vogil friss old verdirp!&lt;/strong&gt; Vogel friss oder stirb. (Wander I/1162/26). Wer überleben will muss kämpfen. Man muss sich mit den Realitäten auseinandersetzen und sich dort zurechtfinden, sonst geht man unter.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Äss ischt kchei Vogil no so hoo gflogu, är hei nit Bodo bizogu&lt;/strong&gt;. Es flog kein Vogel noch so hoch, er habe nicht wieder den Boden erreich (bezogen). (Wander 1/1069/3). Sinngemäss drückt dieses Sprichwort das Gleiche aus wie: Hochmut kommt vor dem Fall. Varianten:&lt;strong&gt; ... ooni Fäcka, är sii nit amap gfallu in di Dräcka&lt;/strong&gt;; ... ohne Federn (!, des Reimes willen), er sei nicht zurück in den Dreck gefallen; &lt;strong&gt;..., är sii nit zrugg cho&lt;/strong&gt;, ..., er sei nicht zurück gekommen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Kchei Freit, kchei Leit&lt;/strong&gt;. Keine Freude, kein Leid. (Wander 1/1168/86). Wer die Freude nicht kennt, kennt auch das Leid nicht. Oder alles Glück ist auch mit Leid verbunden.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Ass Ross und a Froww selle mu nie antleennu&lt;/strong&gt;. Ein Ross und seine Frau soll man nie ausleihen. (Wander 1/1123/394) Was einem besonders wertvoll ist, darf man nicht ausleihen, denn alles was man ausleiht unterliegt der Gefahr der Beschädigung. Varianten: ..&lt;strong&gt;. ass Auto&lt;/strong&gt;;&lt;strong&gt; ... ass Welo&lt;/strong&gt; (Fahrrad); &lt;strong&gt;... an Streel &lt;/strong&gt;(Kamm); ... Fäderhaalter (Federhalter).&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;We mu de Liit der chlei Finger git, welluntsch di ganzi Hant. &lt;/strong&gt;Gibt man den Leuten den kleinen Finger, wollen sie die ganze Hand.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Miessigi Fingra macht as seers Hindra&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;.&lt;/strong&gt; Müssige Finger (keine Arbeit, Faulheit) macht einen versehrten Arsch.&amp;nbsp;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Nit vill Gäält, nit vill wäärt.&lt;/strong&gt; Nicht viel Geld, nicht viel wert. (Wander, 1/1504/847), wer nichts besitzt, gilt nichts.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;An riiche Giizhals und ass feissts Schwii heint eersch Wäärt naa dum Toot&lt;/strong&gt;. Ein reicher Geizhals und ein fettes Schwein haben erst nach dem Tode einen Wert. (Wander, 1/1457/3)&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Äss ischt nit alles Golt wa glänzt.&lt;/strong&gt; Es ist nicht alles Gold, was glätzt. (Wander, 1/1789/47). Sich nicht vom äusseren Schein blenden lassen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Gweegts und gmässus ischt baalt gässus.&lt;/strong&gt; Gewogen und gemessen ist rasch gegessen. (Wander, 1/1677/3).&amp;nbsp; Wer von der Waage leben muss (d.h. alles&amp;nbsp; Einkaufen und nicht selber produzieren, Arbeiter-, Nebenerwebbauer) der muss darben.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Haar und Schado waxunt alli Tago&lt;/strong&gt;. Haar und Schaden wachsen alle Tage. (Wander. 2/219/59) Schaden, Unglück und Verderben kommen automatisch.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Äs ischt liechts an hipschi Frow z heiratu, aber scha hipschi z erhaaltu ischt schweer.&lt;/strong&gt; Es ist eine leichtes eine hübsche Frau zu heiraten, aber sie hübsch zu erhalten ist schwer. (Wander, 1/1121/354)&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Der Hetti und der Welti sind Brieder gsii.&lt;/strong&gt; Der Hätt-ich und der Wollt-ich sind Brüder. (Wander, 2/386/4); Variante: ... zwei aarmi Mannu. ... &lt;strong&gt;beidi in der Hell. ... beidi nix (gliichvill) kcha.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Va der Hipschi het mu nit gässus.&lt;/strong&gt; Von der Schönheit hat man nicht gegessen. (Wander, 4/324/124: Von der Schönheit kann man nicht leben. Idiotikon, 2/968: Von der Hübschi allei hätmen nit gläbt.).&amp;nbsp; Die Frau muss neben ihrer Schönheit noch andere Fähigkeiten (Hausfrauentüchtigkeit) in die Ehe bringen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;a class=&amp;quot;external-link-new-window&amp;quot; href=&amp;quot;https://books.google.ch/books?id=hp76H6d2uqUC&amp;amp;pg=PA211&amp;amp;lpg=PA211&amp;amp;dq=hitzig+ist+nicht+witzig&amp;amp;source=bl&amp;amp;ots=S7bY4EQ2du&amp;amp;sig=ACfU3U08jYzCyf6bBcRCYZhslY3g1sVX3Q&amp;amp;hl=de&amp;amp;sa=X&amp;amp;ved=2ahUKEwitodyoj4TgAhXKxYUKHV-yBx4Q6AEwDXoECAEQAQ#v=onepage&amp;amp;q=hitzig%20ist%20nicht%20witzig&amp;amp;f=false&amp;quot; target=&amp;quot;_blank&amp;quot;&gt;&lt;strong&gt;Hitzig ischt nit witzig&lt;/strong&gt;. &lt;/a&gt;(Wander, 2/687/2). Hitziges, unüberlegtes, überhastetes, emotionales Handeln ist nicht klug.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;&lt;a class=&amp;quot;external-link-new-window&amp;quot; href=&amp;quot;https://www.gutzitiert.de/zitat_autor_sprichwort_thema_hund_zitat_34232.html&amp;quot; target=&amp;quot;_blank&amp;quot;&gt;Di biissundu Hint träägunt am meischtu zerschrissni Oorini&lt;/a&gt;.&lt;/strong&gt; Die beissenden Hunde tragen am meisten zerschrissene Ohren.&amp;nbsp; (Wander, 2/821/67). Wer Streit sucht, muss am meisten dafür büssen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Di greegschtu Ringchie träägunt am meischtu Schurpfa&lt;/strong&gt;. Die besten Ringkühe (Kampfkühe, Stechkühe) tragen am meisten Schürfungen. Variante von oben: Wer Streit sucht, muss am meisten dafür büssen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;A schuppo Hint sint ds Hasusch Toot&lt;/strong&gt;. Viele Hunde sind des Hasens Tod. (Wander 2/860/984). Ein Problem, eine Kleinigkeit lässt sich leicht verkraften, doch summieren sie sich, werden sie unüberwindlich.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Ischt d Chatz uss dum Hüss, so tanzot d Müüs.&lt;/strong&gt; Ist die Katze aus dem Haus, dann tanzt die Maus. (Wander 2/1180/266). Fehlt die Autorität, ist die Ordnung dahin.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Chleini Chint, chleini Soorge, groossi Chint, groossi Soorge.&lt;/strong&gt; Kleine Kinder kleine Sorgen, grosse Kinder grosse Sorgen (Wander2/1299/654).&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Chleini Chint trätte der Müeter un du Rock, groossi uff ds Häärz&lt;/strong&gt;. Kleine Kinder treten der Mutter auf den Rock, grosse auf das Herz. (Wander 2/1299/643) Kleine Kinder geben weniger Sorge als grosse.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Letzte Bearbeitung: VS, 1.2.19&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;(vgl. &lt;a href=&amp;quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Kreuzweg#Vierzehn_Stationen&amp;quot; target=&amp;quot;_blank&amp;quot;&gt;http://de.wikipedia.org/wiki/Kreuzweg#Vierzehn_Stationen&lt;/a&gt;)&lt;/p&gt;

&lt;h5&gt;Volmar Schmid, 30. 11. 2010&lt;/h5&gt;

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			<pubDate>Tue, 02 Feb 2021 00:00:00 +0100</pubDate>
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			<link>https://www.walsermuseum.ch/soziales-wirken/sprichwort-redensart/erfahrig-bispiil-56</link>
			<title>Erfahrig &amp; Bispiil</title>
			<description>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Wie verwandter, wie verdammter&lt;/strong&gt;. `Nie verwandter, wie verdammter&amp;#39;. Hier finden wir eine nicht ganz wörtliche Übersetzung bei Wander,I-V/1618/1: &amp;quot;Je näher verwandt, je feinder einand.&amp;quot; (vgl. Lipperheide, 941). Die Bedeutung bezieht sich hier mal erstens auf die Blutsverwandten.:(es gibt nirgends mehr Streit als unter Verwandten) aber dann bezieht sich das Sprichwort auch auf die Umgebung, die Nachbarn.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Vill will mee. &lt;/strong&gt;Viel will mehr. Varianten: &lt;strong&gt;Vill schryt nach mee. &lt;/strong&gt;Viel schreit nach mehr. &lt;strong&gt;Vill ha, heischt mee.&lt;/strong&gt; Viel haben, heischt (verlangt) nach mehr. Wer schon viel besitzt, der strebt nach noch mehr; der Mensch hat nie genug.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Voglo friss old verdirb.&lt;/strong&gt; Vogel friss oder stirb. Wie im Hochdeutschen ein eindrücklicher Rat sich den aktuellen Gegebenheiten zu stellen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Mee wa ds Ässu und ds Gwandji het nit ds riichtoscht Mannji&lt;/strong&gt;. Mehr als Essen und Gewand (Kleidung) hat nicht der reichste Mann. Hier wird über die Relativität des Reichtums gesprochen; wer lernt, mit dem auszukommen und zufrieden zu sein, was er hat, der hat genug.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Mu pchännt du Vogil am Gsang und du Mänsch am Gwant&lt;/strong&gt;. Man erkenn den Vogel an seinem Gesang und den Menschen an seinem Gewande. (Wander, II/1240/17). Den Menschen erkennt man an seinem Äusseren, seinen Charakter durch seine Taten.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Vill Gschrei, wenig Wolla&lt;/strong&gt;. Viel Geschrei und wenig Wolle. Viel Geschrei um nichts.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Va främdum Späck ischts Liechts breiti Riemme z schniidu.&lt;/strong&gt; Von fremdem Speck ist es ein Leichtes, dicke Stücke abzuschneiden. (Wander 1/477/235) Mit fremdem Gute lässt es sich leicht grosszügig zu sein. Dieser Vorwurf wird manchmal auch den Linke für ihre Sozialpolitik (Umverteilung) gemacht.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Früe sattlu, spaat zwäggaa.&lt;/strong&gt; Früh satteln, spät losgehen. (Wander, 4/5/6). Für Leute, die mit ihrer Arbeit nicht vorwärts kommen; auch Faule, die den Anschein von Fleiss erwecken wollen. Variante: &lt;strong&gt;... riitu.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Am Aabunt wirt der Füüle flissig.&lt;/strong&gt; Am Abend wird der Faule fleissig. (Wander, 1/9/6)&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Früe üff, spaat nit.&lt;/strong&gt; Früh auf, spät ins Bett. (Wander, 3/1023/1) In der Bedeutung in erster Linie mit dem Hintergedanken: &amp;quot;willst du es zu etwas bringen&amp;quot;; man muss fleissig sein und dazu gehört der ganze Tag. Es kann aber mit dem Zusatz: &lt;strong&gt;... friss gschwint und schaff wider&lt;/strong&gt;; auch als Kritik an einem allzustrengen Patron gemeint sein.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Ds Gfrässna, ds Vergässna.&lt;/strong&gt; Das Gefressene ist das Vergessen. (Wander, 1/1161/14). Was man gehabt hat, vergisst man leicht und wird undakbar. Dieses Sprichwort richtet sich an die Undankbaren. Varianten:&lt;strong&gt; ... ds Gässna; Ischts gfrässus ischts vergässus.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Schwaarz giboru, alls Wäschu verlooru&lt;/strong&gt;. Schwarz geboren ist alles Waschen verloren. (Wander, 1/1385/20). Gewissen Dinge lassen sich einfach nicht ändern, vor allem gegen Dummheit kämpfen selbst die Götter vergebens. Varianten: &lt;strong&gt;Tumm giboru, als Leerru verlooru.&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt; &lt;/strong&gt;Dumm geboren ist alles Lernen verloren. Als Scherzrede ist eher die folgende Variante aufzufassen: &lt;strong&gt;Tumm giboru und nix derzüegleert (und der Räscht no vergässu).&lt;/strong&gt; Dumm geboren und nichts dazugelernt (und den Rest noch vergessen).&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Wie gloorter, wie verchoorter&lt;/strong&gt;. Wie gelehrter, wie verkehrter. (Wander, 1/1532/13). Der Gebildete, Gelehrte versagt oft in der praktischen Arbeit, in der alltäglichen handwerklichen Arbeit.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Ds Gmeina ischt ds Ureina.&lt;/strong&gt; Das Gemeine ist das Unreine. (Wander, 1/1543/3). Gemeinsamer Besitz führt oft zu Streit.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;We mu gsunt ischt, feelt eim mängerlei, we mu chrank ischt, nummu eis.&lt;/strong&gt; Wenn man gesund ist, fehlt einem vielerlei, wenn man chrankt ist, fehlt einem nur eines (nämlich die Gesundheit). (Wander, 1/1636/1). Die vielen kleinen Sorgen des Alltags sind blitzschnell verschwunden, wenn man ernsthafter krank oder invalide wird.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Ds Hämmli liit neecher wa der Rock.&lt;/strong&gt; Das Hemd liegt näher als der Rock (Jacke). (Wander, 2/499/3) Was den Einzelnen persönlich angeht, triff ihn mehr als fremde Angelegenheiten.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Di biissundu Hint träägunt am meischtu zerschrissni Oorini&lt;/strong&gt;. Die beissenden Hunde tragen am meisten zerschrissene Ohren. (Wander, 2/821/67). Variante: &lt;strong&gt;Di greegschtu Ringchie träägunt am meischtu Schurpfa.&lt;/strong&gt; Die grössten Ringkühe (Kampfkühe) tragen die meisten Schürfungen (Hornvereltzungen). Wer Streit sucht, muss meisten selber am meisten büssen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;An era güetu Hüssfroww chalbjot der Späck im Spiicher&lt;/strong&gt;. Einer guten Hausfrau kalbert der Speck im Speicher. (Wander, 1/1120/335). Einer wirtschaftlichen, sparsamen Frau scheinen sich die Vorräte zu vermehren.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Was nit ischt, cha no wäärdu&lt;/strong&gt;. Was nicht ist, kann noch werden. Ausdruck des Optimismus, der Zuversicht (Wander, 4/522/60)&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Hundert Jaar as Chalp, git nie an Chüe&lt;/strong&gt;. Hundert Jahre ein Kalb, gibt nie eine Kuh. (Idiotikon, III/88: En 20 järigs Chalb git kein gschiidi Chue me.). Was man in der Jugend nicht gelernt hat, lernt man im Alter nicht mehr.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Ds Schüemachersch Chint träägunt di schlächtoschtu Schüe&lt;/strong&gt;. Des Schuhmachers Kinder tragen die schlechtesten Schuhe. (Wander 4/361/7). Wo es eigentlich am besten gelingen sollte, gedeiht die Sache nicht. Ähnlich ist das hdt. Sprichwort: Des Lehrers Kinder und des Pfarrers Federvieh geraten selten oder nie.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Uff as Lache chunt as Flänne.&lt;/strong&gt; Auf ein Lachen folgt ein Weinen. (Wander, 2/1742/5). Nach guten folgen auch schlechte Zeiten.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Jedum Lappi, schiis Chappi&lt;/strong&gt;. Jedem Narren seine Kappe. (Wander 2/1791/9). Jeder Mensch hat das Recht auf seinen eigenen Geschmack (vor allem bezieht es sich auf die Kleidung).&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Der Loser an der Want kcheert schiini eigunt Spott und Schant.&lt;/strong&gt; Der Horcher an der Wand hört seine eigene &amp;#39;Spott und Schande&amp;#39;. (Wander 2/775/1). Über Abwesende wird ganz anderst gesprochen als über Anwesende. Will man wissen was die Leute über mich denken, muss ich sie belauschen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Näbu dum a güetu Ma ists liechts as güets Wiip z sii&lt;/strong&gt;. Neben einem guten Manne ist est ein Leichtes ein gutes Weib zu sein. (Wander, 3/389/642; &amp;quot;Ein guter Mann macht eine gute Frau&amp;quot;). Bedeutung: wörtlich, besonders das Materielle betreffend; ein sparsamer, arbeitsamer, haushälterischer Mann macht eine ebensolche Frau. (Sagt das Sprichwort! sic. die Redaktion).&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Was der Ma mit Ross und Wago züefierre, chänne d Frow im Forscher fortträägu.&lt;/strong&gt; Was der Mann mit Ross und Wagen hereinfahre, könne die Frau in der Schürze forttragen. (Wander, 1/1114/221). Eigentlich im Widerspruch zum obigen: eine Frau, die nicht haushalten kann, verschleudert mehr Güter, als sie der Mann mit seiner Arbeit zu erwerben vermag.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Letzte Bearbeitung: VS, 4.2.19&lt;/p&gt;
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			<pubDate>Tue, 02 Feb 2021 00:00:00 +0100</pubDate>
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