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		<title>Waldbrücheta | Virtuelles Walsermuseum</title>
		<link>https://www.walsermuseum.ch/?id=54</link>
		<description></description>
		<pubDate>Mon, 25 May 2026 15:59:53 +0200</pubDate>
		<category>Virtuelles Walsermuseum</category>
		<item>
			<link>https://www.walsermuseum.ch/arbeit/waldnutzung/werchstoff-schindlae,-werchholz,-zuena,-moos-323</link>
			<title>Werchstoff: Schindlä, Werchholz, Züna, Moos</title>
			<description>&lt;p&gt;Im vorderen Vispertal werden die Schindeln und Zäune von den Zeitzeugen deutlich weni&amp;shy;ger oft genannt als in den anderen Fallstudien (im vorderen Vispertale wurden die Dächer mit Steinplatten, Chalpertraanerplatte, gedeckt, Anm. die Redaktion, vgl. &lt;a class=&amp;quot;internal-link&amp;quot; href=&amp;quot;?id=50&amp;amp;mod_action=show_entry&amp;amp;entry_id=246&amp;quot; target=&amp;quot;_blank&amp;quot;&gt;Dachlandschaften&lt;/a&gt;). Ausführlich sind dagegen die Berichte über die vielfältige Verwendung des Mooses, &lt;strong&gt;&lt;strong&gt;Miesch &lt;/strong&gt;&lt;/strong&gt;und vor allem über Gewinnung und Verarbeitung des Werkholzes, was oft nicht durch professionell ausgebildete Handwerker geschah. Viel&amp;shy;mehr gab es in fast jedem Dorf ein paar Leute mit handwerklichem Geschick, die solche Arbeiten im Nebenverdienst erledigten: &lt;strong&gt;Sie machten mit dem primitivsten Werkzeug fast unmögliche Sachen. &lt;/strong&gt;Nicht selten organisierte man sich dabei in Form des Störhand&amp;shy;werks. So erinnert sich ein Zeitzeuge, wie in den frühen 1950er-Jahren bei ihnen zuhause in der Wohnstube ein &lt;strong&gt;älterer&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt; &lt;/strong&gt;Mann während zweier Wochen &lt;strong&gt;Tschiffere herstellte&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;.&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt; Dabei&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt; &lt;/strong&gt;konnte die Entschädigung auch in einer Gegenleistung bestehen: &lt;strong&gt;Es &lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;hat einer etwas geschreinert und der andere musste mit dem Maultier. &lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die Gewährsleute&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt; &lt;/strong&gt;geben an, anders als &lt;strong&gt;etwa im Goms oder im Lötschental&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt; &lt;/strong&gt;seien &lt;strong&gt;im vor&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;&amp;shy;&lt;/strong&gt;deren &lt;strong&gt;Vispertal kaum&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt; &lt;/strong&gt;Schindeln eingesetzt worden: &lt;strong&gt;Nein, hier deckte man überall mit&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt; &lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;Steinplatten&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;.&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt; &lt;/strong&gt;Ein &lt;strong&gt;Zeitzeuge erwähnt als&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt; &lt;/strong&gt;Ausnahmen deren Verwendung bei einem &lt;strong&gt;Vordach oder an&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt; &lt;/strong&gt;den Wänden einer &lt;strong&gt;Hütte&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt; &lt;/strong&gt;in den Reben, &lt;strong&gt;zudem schindelgedeckte Tregg, wo&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt; &lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;man draussen das Vee tränkte&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;.&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt; Andere&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt; &lt;/strong&gt;verlegen &lt;strong&gt;die Schindeln in&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt; &lt;/strong&gt;die Vergangenheit, &lt;strong&gt;vor&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt; &lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;langer Zeit,&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt; &lt;/strong&gt;oder &lt;strong&gt;bis in die 1940er-Jahre&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;;&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt; nachher&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt; &lt;/strong&gt;erfolgte deren &lt;strong&gt;Ablösung durch die&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt; &lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;Blechdächer.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Die &lt;/strong&gt;Herstellung der Schindeln erfolgte &lt;strong&gt;im &lt;/strong&gt;Winter und wurde von Spezialisten &lt;strong&gt;ausgeübt: Normalerweise waren das die Leute, die auch die Tschiffere mach ten. &lt;/strong&gt;Verwendet wurde Lärchenholz, &lt;strong&gt;das&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt; &lt;/strong&gt;gleichzeitig &lt;strong&gt;gut spaltbar und widerstandsfähig&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt; &lt;/strong&gt;ist, geeignete &lt;strong&gt;Bäume&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt; müssen langsam &lt;/strong&gt;gewachsen &lt;strong&gt;sowie &lt;/strong&gt;nicht &lt;strong&gt;dem Wind ausgesetzt gewesen sein und zudem &lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;nur &lt;/strong&gt;wenige &lt;strong&gt;Äste aufweisen.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Im &lt;/strong&gt;Gegensatz &lt;strong&gt;zu heute, wo alles eingegattert oder eingezäunt ist, machte man dies früher &lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;lange nicht bei allen&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt; &lt;/strong&gt;Nutzflächen. Mit &lt;strong&gt;&lt;strong&gt;Züü &lt;/strong&gt;abgesperrt wurden&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt; &lt;/strong&gt;beispielsweise gefährliche Stellen in den &lt;strong&gt;Voralpa, um zu &lt;/strong&gt;verhindern, dass das Vieh &lt;strong&gt;abstürzte.&lt;/strong&gt; &lt;strong&gt;Auch &lt;/strong&gt;sicherte &lt;strong&gt;man mit &lt;/strong&gt;einem Zaun die Abgrenzung der Matten vor dem durchziehenden Vieh, &lt;strong&gt;züünet hat man vor allem die Hauptwege. Dazu &lt;/strong&gt;holte &lt;strong&gt;man &lt;/strong&gt;sich &lt;strong&gt;vorzugsweise &lt;/strong&gt;Lärchenholz, wenn &lt;strong&gt;es als &lt;/strong&gt;Windfall- &lt;strong&gt;oder Lawinenholz &lt;/strong&gt;anfiel. Eine &lt;strong&gt;Ausweitung des Zäunens geschah mit dem &lt;/strong&gt;Aufkommen &lt;strong&gt;der Schafe.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Neben den erwähnten Nebenerwerbs-Korbern flochten auch die Väter von mehreren Gewährsleuten selber Rückentragkörbe &lt;strong&gt;(&lt;strong&gt;Tschiffere&lt;/strong&gt;). &lt;/strong&gt;Als Flechtmaterial wurden junge Hasel-, Weiden- oder Birkenzweige verwendet, die man entrindete und durch Einlegen ins Wasser biegsamer machte. Für den Boden brauchten die meisten Birkenholz, einzelne aber auch Eschen- oder Tannenholz. In den Boden steckte man &lt;strong&gt;&lt;strong&gt;Gert &lt;/strong&gt;&lt;/strong&gt;oder &lt;strong&gt;&lt;strong&gt;Schije&lt;/strong&gt;, etwas &lt;/strong&gt;dickere Stämmchen von Haselstauden, &lt;strong&gt;die &lt;/strong&gt;vorher gespalten wurden und durch die man die Zweige flocht. Den Kranz, der oben am Korb für Stabilität sorgt, stellte man aus Birke her.Ein solcher Rückentragkorb hatte eine Lebensdauer von bis zu zehn Jahren, wenn man sorgfältig mit ihm &lt;strong&gt;umging.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Für die Zeitzeugen waren die &lt;strong&gt;Tschiffere &lt;/strong&gt;schlicht &lt;strong&gt;das wichtigste Transportmittel. Damit holte man Holz &lt;/strong&gt;für &lt;strong&gt;die Küche, &lt;/strong&gt;gesammeltes Eschenlaub &lt;strong&gt;für den Stall &lt;/strong&gt;und &lt;strong&gt;trug &lt;/strong&gt;den &lt;strong&gt;Mist auf &lt;/strong&gt;die Wiesen. Auch in &lt;strong&gt;dieser &lt;/strong&gt;Hinsicht &lt;strong&gt;sind sie inzwischen entbehrlich geworden: Heute &lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;haben sie ja Raupenfahrzeuge, um den Mist auszubringen.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Gross war der Bedarf an Rebstecken (Schtichchja). Sie wurden aus Lärchenstämmen hergestellt, die man auf eine Länge von anderthalb Metern zusägte und dann spaltete. Immer supergerades Holz; gar kein krummes, weil man es sonst nicht spalten konnte. Anschliessend wurden die Stickel auf der Werkbank eingespannt, mit dem Zugmesser geglättet (gschnäzzut) und unten, wo man sie einschlug, zugespitzt. Ihre Lebensdauer verlängerte sich, wenn man sie im Herbst aus dem Boden entfernte, da sie sonst faulten.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Auf die gleiche Weise stellte man &lt;strong&gt;Schtichchja &lt;/strong&gt;für die Stangenbohnen her. Heute werden praktisch keine &lt;strong&gt;Schtichchja &lt;/strong&gt;aus Holz mehr verwendet, vielmehr kauft man solche aus Eisen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Die Angaben der Zeitzeugen zur Verwendung der unterschiedlichen Holzarten im vorderen Vispertal sind ausserordentlich vielfältig. Beim Bauholz, das im Zusammenhang mit unse&amp;shy;rem Thema nur zu streifen ist, wurden im Innenausbau die leicht bearbeitbaren Arven, Föh&amp;shy;ren und Tannen eingesetzt, währenddem man für die wetterausgesetzten Aussenwände und Türen vorzugsweise Lärchen verwendete. Auch in anderen Bereichen, die grösseren Feuchtigkeitsbelastungen ausgesetzt sind, griff man vorzugsweise auf Lärchenholz, &lt;strong&gt;&lt;strong&gt;Leerchuholz&lt;/strong&gt;&lt;/strong&gt;, zurück, so bei Brunnentrögen, Schweinefuttertrögen, Strommasten und Wasserleitungen. Als besonders gut haltbar gilt die &lt;strong&gt;&lt;strong&gt;Wasuleerch&lt;/strong&gt;, &lt;/strong&gt;die freistehend auf der Wiese oder wenigstens am Waldrand wächst, und die wegen ihrer Zähigkeit für die Herstellung von Fässern und Brenten eingesetzt wurde.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Für Möbel wie Kinderbetten und Schränke oder auch für Särge war das Arvenholz ebenso begehrt wie fürs Schnitzen. Die Rechenstiele, &lt;strong&gt;Rächo&lt;/strong&gt;, machte man aus Lärchen- oder Lindenholz, die Zähne dagegen aus dem &lt;strong&gt;widerstandsfähigeren &lt;/strong&gt;Eschenholz, der Grossvater eines Zeitzeugen stellte sie noch selber her, ehe sie später von gekauften &lt;strong&gt;lisu-Räche &lt;/strong&gt;abgelöst wurden. Für die Stiele von Schaufeln, Mist- und Heugabeln nahm man Birke oder Esche, wobei man nach einem &lt;strong&gt;gebogenen &lt;/strong&gt;Exemplar Ausschau hielt. Ebenfalls aus Esche oder Birke wurden die Schlitten, &lt;strong&gt;Schlitto&lt;/strong&gt;,&amp;nbsp; verfertigt. Wer etwas darauf achtete, machte dagegen bei der Axt &lt;strong&gt;(Bieli) &lt;/strong&gt;den Stiel nicht aus Esche, denn wegen der besonderen Härte dieser Holzart &lt;strong&gt;bekam man eben Blasen, &lt;/strong&gt;sondern wählte den Vogelbeerstrauch, der zwar eine &lt;strong&gt;Räntät &lt;/strong&gt;war,&lt;strong&gt; &lt;/strong&gt;dessen ebenfalls hartes Holz aber viel &lt;strong&gt;lieblicher &lt;/strong&gt;ist. Den &lt;strong&gt;&lt;strong&gt;Riisbäsme &lt;/strong&gt;&lt;/strong&gt;für den Stall stellte man aus Zweigen der Birke her, die im Herbst gewonnen wurden, weil sie dann härter sind-, im Frühjahr &lt;strong&gt;sind sie viel zu &lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;weich.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ein weiterer vielfältig eingesetzter Werkstoff aus dem Wald war das Moos, &lt;strong&gt;Miesch&lt;/strong&gt;, wobei die Isolation beim Hausbau der erste Verwendungszweck war. Bevor &lt;strong&gt;chemische Produkte &lt;/strong&gt;wie Schaumgummi zur Verfügung standen, stopfte man Hohlräume in der Hauswand oder in der Zimmerdecke mit &lt;strong&gt;Miesch. &lt;/strong&gt;Moos wurde auch gebraucht, um auf dem Friedhof im Winter die Blumen abzudecken. Eine weitere Verwendung war die Dekoration, so bei kirchlichen Festen wie Weihnachten oder Fronleichnam &lt;strong&gt;(&lt;a class=&amp;quot;internal-link&amp;quot; href=&amp;quot;?id=43&amp;amp;mod_action=show_entry&amp;amp;entry_id=90&amp;quot; target=&amp;quot;_blank&amp;quot;&gt;Herguntschtag&lt;/a&gt;), &lt;/strong&gt;wobei in letze&amp;shy;rem Fall riesige Altäre mit Moos dekoriert wurden: &lt;strong&gt;Es sah schön grün aus. Es war einfach so ein alter Brauch. &lt;/strong&gt;Bei diesen Feiertagen setzte man zudem Tannenzweige ein. Auch berichtet ein Zeitzeuge, wie er jeweils vor Weihnachten zusammen mit dem Förster und dem Gemeindearbeiter in den Wald ging, um einen Christbaum zu holen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Martin Stuber / Matthias Bürgi: Hüeterbueb und Heitistähl&lt;/strong&gt;. Traditionelle Formen der Waldnutzung in der Schweiz, 1800 bis 2000. Haupt, Herausgeber: Ruth und Herbert Uhl-Forschungsstelle für Natur- und Umweltschutz, Bristol-Stiftung, Zürich, &lt;a href=&amp;quot;https://paul-schiller-schriftenreihe.ch/&amp;quot; target=&amp;quot;_blank&amp;quot;&gt;www.bristol-stiftung.ch&lt;/a&gt;, Bern, 2011, S.&amp;nbsp; 136 - 141&lt;/p&gt;

&lt;h5&gt;SV, 19. 4. 21014&lt;/h5&gt;
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			<pubDate>Thu, 18 Feb 2021 00:00:00 +0100</pubDate>
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		</item>
		<item>
			<link>https://www.walsermuseum.ch/arbeit/waldnutzung/braennstoff-aescht,-rinda,-tannuzapfe,-wurzelsteck-322</link>
			<title>Brännstoff: Äscht, Rinda, Tannuzapfe, Wurzelsteck</title>
			<description>&lt;p&gt;Jede burgerliche Familie bekam jährlich aus den Burgerwäldern unentgeltlich Losholz, Loossholz, wobei gewöhnlich drei Familien gemeinsam ein Los zogen. Dies ergab pro Feuerstelle rund 2,5 bis 3 Kubikmeter, Bräholz, was jedoch zur Deckung des Brennholzbedarfs bei weitem nicht ausreichte. Ich würde sagen, dass das nicht zur Hälfte für das ganze Jahr genügte, so ein Zeitzeuge. Erst seit der Mitte des 20. Jahrhunderts brachten der elektrische Strom, Erdöl und Erdgas Entlastung. Bis dahin musste man immer für alles Holz im Wald holen, das heisst fürs Kochen, für das Heizen im Winter, für das Waschen. Wer selber etwas Privat&amp;shy;wald besass, bezog die nötige Ergänzung zum knappen Losholz von dort. Die anderen waren angewiesen auf das Astholz, das beim Holzen anfiel, auf das Dürr- und Lawinenholz, das vom Boden aufgelesen wurde, auf die dürren Äste, die man von den Bäumen herunter holte sowie auf die dürren Bäume, die versteigert wurden.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Äste fielen erstens direkt beim Holzen an. Wenn die drei Familien, die dem gleichen Los zugeteilt waren, zusammen das angezeichnete Holz holen gingen, wurden die gefällten Bäume &lt;strong&gt;&lt;strong&gt;üssggaschtet&lt;/strong&gt;, &lt;/strong&gt;die &lt;strong&gt;&lt;strong&gt;Escht &lt;/strong&gt;&lt;/strong&gt;durch drei geteilt und im Winter mit dem Schlitten heim&amp;shy;gebracht. Für die Gemeinde Törbel wird zudem die Tatsache hervorgehoben, dass ihre Waldfläche im Verhältnis zur Bevölkerung zu klein war, währenddem in der Nachbar&amp;shy;gemeinde Bürchen der Waldertrag den Bedarf überstieg, was die Bürchener zum &lt;strong&gt;Holz&amp;shy;verkauf &lt;/strong&gt;veranlasste. In den überregionalen Verkauf gelangte nur das Stammholz, die Äste blieben liegen. DieTörbeler sammelten diese dann &lt;strong&gt;beigenweise, biibuwiiss, &lt;/strong&gt;worauf ein Bürchener den zu bezahlenden Preis festlegte. Hinzu kam der aufwendige Transport von Bürchen nach Törbel: &lt;strong&gt;Das war für uns etwas Unwahrscheinliches, weil man manchmal zweimal am &lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;Tag Holz holen ging. Ein Weg dauerte 3 bis 4 Stunden.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Zweitens bestand in den Burgerwäldern allgemein das Recht zum Sammeln der &lt;strong&gt;dürren Escht. &lt;/strong&gt;Grosse &lt;strong&gt;Konkurrenz &lt;/strong&gt;und ein regelrechtes Rennen gab es nach Lawinenzügen, &lt;strong&gt;dort &lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;waren ja noch viele Escht obendraUf. &lt;/strong&gt;Das regelmässige Sammeln gehörte zu den Auf&amp;shy;gaben der Kinder. Die einen gingen beinahe täglich, die anderen jeweils am schulfreien Mittwoch oder Donnerstag mit einer &lt;strong&gt;Bränta &lt;/strong&gt;oder einer &lt;strong&gt;Tschiffera: Das hatte man dann zu wollen. &lt;/strong&gt;Dabei galt es einiges Gewicht nach Hause zu tragen-, die Jüngeren vielleicht 10 kg, die Älteren und die Erwachsenen 30 bis 40 kg. Hinzu kamen die weiten Wege von einer Stunde und mehr, denn &lt;strong&gt;um die Dörfer herum waren die Wälder geputzt.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Im Recht auf Dürrholz war zudem enthalten, dürre Äste von den Bäumen herunterzuholen. Man verwendete dazu zum einen den &lt;strong&gt;&lt;strong&gt;Chraapfo&lt;/strong&gt;, &lt;/strong&gt;eine 4 bis 10 m lange Holzstange mit ei&amp;shy;nem Metallhaken, &lt;strong&gt;damit konnte man sie abreissen. &lt;/strong&gt;Eine andere Möglichkeit bestand in einem langen Seil, an dem vorne ein Holz angebunden war, das &lt;strong&gt;wie ein Lasso aufgerollt &lt;/strong&gt;und geworfen wurde, um es mit dem richtigen Schwung um den Ast zu wickeln: &lt;strong&gt;Da kön&amp;shy;nen Sie sich vorstellen, wie lange man da übte, bis man das konnte. &lt;/strong&gt;Eine weitere Art war, den Baum hochzuklettern und die Äste abzuhacken: &lt;strong&gt;Wir waren da fast wie die Affen.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Zusätzlich hatten die Burger das Recht, gewisse Bäume &lt;strong&gt;ganz oben in den Felsen, &lt;/strong&gt;die wegen ihres Standorts nur schlecht zu nutzen waren, ohne Loszuteilung für sich zu bean&amp;shy;spruchen. Geholt wurden diese Bäume von den &lt;strong&gt;Bergtüchtigsten, die sowieso das ganze Jahr in den Bergen waren. &lt;/strong&gt;Es durfte aber umgekehrt im Burgerwald keineswegs jeder dürre Baum geerntet werden-, neben der erwähnten fehlenden Zugänglichkeit war ein Durchmesser von unter 16 cm entscheidend. Dickere dürre Bäume wurden ebenso wie umfangreicheres Windfallholz &lt;strong&gt;an Sonntagen nach der Messe vor der Kirche um billiges Geld unter den Bürgern vom Waldvogt an den Meistbietenden verkauft. &lt;/strong&gt;In der Regel ging der Förster &lt;strong&gt;fleissig in den Wald, &lt;/strong&gt;damit ihm die dürren Bäume mit dem gewissen minimalen Umfang nicht entgingen; oder manchmal sagte ihm auch jemand: &lt;strong&gt;Ich habe dort &lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;eine trockene Leerch gesehen. Geh sie &lt;strong&gt;zeichnu &lt;/strong&gt;und bring sie zur Versteigerung.&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt; &lt;/strong&gt;Ab Mitte September durfte man dann &lt;strong&gt;dürre Bäim, &lt;/strong&gt;die der Förster nicht erwischt hatte, um sie anzuzeichnen, selber holen gehen. Überhaupt wurden in gewissen Wäldern beide Augen zugedrückt, wenn dürre Bäume geholt wurden: &lt;strong&gt;Eigentlich war das verboten, aber Sie müssen &lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;das so sehen, dass es gleich ist, wie wenn ein hungriger Mensch Käse und Brot &lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;nimmt.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Weitere Ergänzungen zum knappen Losholz waren die Tannzapfen &lt;strong&gt;(&lt;strong&gt;Bääje&lt;/strong&gt;) &amp;ndash; &lt;/strong&gt;vor allem von der Föhre und der Fichte &amp;ndash;, die man zum Anfeuern verwendete, &lt;strong&gt;wie heute die Zünd&amp;shy;&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;würfel. &lt;/strong&gt;Ein Zeitzeuge erinnert sich an seine Kindheit, als sie jeweils um sechzehn Uhr nach der Schule zum Sammeln geschickt wurden; in anderen Familien nahm man sie eher im Vorbeigehen: &lt;strong&gt;Man kam praktisch nie leer heim. &lt;/strong&gt;Geholt wurden sie auch von älteren Frauen. Besonders intensiv sammelte man sie während des Zweiten Weltkriegs, als man sie an die Eisenbahn verkaufte.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Zum Anfeuern holte man zudem Flechten von den Bäumen herunter, sie brannten &lt;strong&gt;wie Zunder. &lt;/strong&gt;Auch durfte man im Burgerwald die Wurzelstöcke ausgraben, teilweise wurden die &lt;strong&gt;&lt;strong&gt;Schteck &lt;/strong&gt;&lt;/strong&gt;wie bei der Gewinnung von &lt;strong&gt;Liechtholz &lt;/strong&gt;angebohrt, mit Schwarzpulver gefüllt und gesprengt: &lt;strong&gt;Je mehr es sie zerschlug, desto weniger musste man dann nachher &lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;mit dem Bieli auseinander machen. &lt;/strong&gt;Ebenfalls genutzt wurden Rindenstücke, wobei diejenigen der Arven und der Lärchen besonders begehrt waren, &lt;strong&gt;die heizen dann gut. &lt;/strong&gt;Keine Spuren in den Erinnerungen derVispertaler Zeitzeugen hinterliess dagegen die Köh&amp;shy;lerei.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Während früher &lt;strong&gt;kein dürrer Ast auf dem Boden &lt;/strong&gt;vergessen ging, werden die Kleinholz&amp;shy;sortimente heute kaum mehr genutzt, denn man kann ja &lt;strong&gt;elektrisch kochen und mit Öl heizen. &lt;/strong&gt;Wer&lt;strong&gt; &lt;/strong&gt;durch den Wald geht, sieht überall dürres Holz. Und mit einer &lt;strong&gt;Tschiffra &lt;/strong&gt;im Wald fällt man direkt auf.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Martin Stuber / Matthias Bürgi: Hüeterbueb und Heitistähl&lt;/strong&gt;. Traditionelle Formen der Waldnutzung in der Schweiz, 1800 bis 2000. Haupt, Herausgeber: Ruth und Herbert Uhl-Forschungsstelle für Natur- und Umweltschutz, Bristol-Stiftung, Zürich, &lt;a href=&amp;quot;https://paul-schiller-schriftenreihe.ch/&amp;quot;&gt;www.bristol-stiftung.ch&lt;/a&gt;, Bern, 2011, S.&amp;nbsp; 134 - 136&lt;/p&gt;

&lt;h5&gt;SV, 19. 4. 21014&lt;/h5&gt;
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			<pubDate>Tue, 16 Feb 2021 00:00:00 +0100</pubDate>
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		<item>
			<link>https://www.walsermuseum.ch/arbeit/waldnutzung/wirkstoffa-harz,-heil-und-rueschmittel-321</link>
			<title>Wirkstoffa: Harz, Heil und Rüschmittel</title>
			<description>&lt;p&gt;Gemäss den Gewährsleuten wusch man auf der Basis von &lt;strong&gt;&lt;strong&gt;Löüga &lt;/strong&gt;mit &lt;strong&gt;Äscha&lt;/strong&gt; &lt;/strong&gt;ungefähr bis Ende der 1950er-, Anfang 60er-Jahre, bevor dann die ersten Wachmittel wie Persil auf&amp;shy;kamen. Während zwei Zeitzeugen das Waschen mit Aschenlauge noch bei ihrer Mutter mitbekommen, nicht aber selber ausgeübt hatten, sprechen drei Zeitzeuginnen aus eigener Erfahrung.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Die grosse Wäsche,&lt;strong&gt;&lt;strong&gt; d Wäsch&lt;/strong&gt;&lt;/strong&gt; machte man nur ein paar wenige Male im Jahr, wobei sich die Fami&amp;shy;lien untereinander aushalfen und oft ein paar Frauen zusammen wuschen. Nachdem die Wäsche am Vorabend eingeweicht worden war, erledigte man mit Waschbrett und Kernseife die Vorwäsche; wer kein Geld für die Seife besass, benutzte einen Lärchenschwamm. Darauf kam die Wäsche in ein grosses Holzbecken &lt;strong&gt;(&lt;strong&gt;Bikki&lt;/strong&gt;). &lt;/strong&gt;Daneben wurde auf dem Feuer in einem grossen Hafen Wasser erhitzt und darin die Holzasche gesotten, das ergab dann die Lauge. Man verwendete dazu vor allem Asche vom Holz der Laubbäume, namentlich der Eschen und Birken, die übers Jahr hindurch in einem Sack gesammelt worden war. In &lt;strong&gt;&lt;strong&gt;Säkklini &lt;/strong&gt;&lt;/strong&gt;wurde zudem etwas Harz &lt;strong&gt;(&lt;strong&gt;Päch&lt;/strong&gt;) beigegeben. &lt;/strong&gt;Mit dieser Lauge überschüttete man die Wäsche im &lt;strong&gt;Bikki, &lt;/strong&gt;das man mit einem Tuch und einer Schicht Stroh abgedeckt hatte, wodurch die Lauge gesiebt wurde, um alle Unreinheiten zurückzuhalten; im Boden des &lt;strong&gt;Bikkis &lt;/strong&gt;befand sich ein Loch und so konnte die Lauge unten in einem Eimer aufge&amp;shy;fangen werden, nach erneuter Erhitzung wurde sie wiederum &lt;strong&gt;&lt;strong&gt;ubergschittet&lt;/strong&gt;; &lt;/strong&gt;nach mehr&amp;shy;maligem Wiederholen dieses Vorgangs konnte die Wäsche im grossen gezimmerten Trog &lt;strong&gt;(&lt;strong&gt;Ränne&lt;/strong&gt;) &lt;/strong&gt;des Dorfbrunnens ausgewaschen werden.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Harz &lt;strong&gt;(&lt;strong&gt;Päch&lt;/strong&gt;) &lt;/strong&gt;wurde im vorderen Vispertal in den unterschiedlichsten Formen und An&amp;shy;wendungen genutzt. Zum einen suchte man gezielt nach Harz, das ohne menschliche Einwirkung an einem - etwa durch einen Steinschlag - verletzten Baum ausgeflossen war. Dabei wurde das Harz mit einem Messer abgekratzt beziehungsweise mit einem Hammer oder Stein abgeschlagen und in einer &lt;strong&gt;&lt;strong&gt;Biggsa &lt;/strong&gt;&lt;/strong&gt;gesammelt. Eine weitere Form wurde in Privatwäldern bei älteren Arven und Fichten praktiziert. Man schälte ungefähr einen Viertel des Stammumfangs bis auf zwei Meter Höhe ab, was den Harzfluss provozierte, der nach&amp;shy;her leicht abzuschaben war. Eine dritte Methode fand bei den Lärchen Anwendung. Man bohrte ein Loch in den Stamm und schob eine kleine Vorrichtung in das Loch hinein, worauf das langsam heraus fliessende Harz &lt;strong&gt;(&lt;strong&gt;Leertschina&lt;/strong&gt;) &lt;/strong&gt;in einem darunter befestigten Gefäss aufgefangen werden konnte.&amp;nbsp; Das Lärchenbohren, das sehr intensiv und teilweise pro&amp;shy;fessionell betrieben wurde, hörte schon Anfangs des 20. Jahrhunderts auf. Die Erinnerung ist bei den Zeitzeugen aber durchaus noch vorhanden, indem sie von vergangenen Expor&amp;shy;ten der &lt;strong&gt;Leertschina &lt;/strong&gt;bis nach Italien berichten. Auch der Waldwirtschaftsplan von Zeneg&amp;shy;gen (1929) erinnert noch an die Blüte der Lärchenharznutzung: &lt;strong&gt;Das Harz wurde über den Theodulpass ins Aostatal ausgeführt, wo daraus Terpentin hergestellt wurde. Heute hat diese Nebennutzung ganz aufgehört. &lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Als besondere Art der Harznutzung wird auch die Plünderung der Waldameisen genannt. In ihren grossen Haufen finden sich Kugeln aus Harz, die man herausholte und in der Kirche anstelle von Weihrauch einsetzte. Zu den Harznutzungen kann zudem das &lt;strong&gt;&lt;strong&gt;Liechtholz &lt;/strong&gt;&lt;/strong&gt;gezählt werden. Gewöhnlich stand zu Hause eine &lt;strong&gt;&lt;strong&gt;Liechtholz-Chischta&lt;/strong&gt; &lt;/strong&gt;bereit, so brauchte man kein Papier zum Anfeuern. Man gewann es aus den harzreichen Föhren &lt;strong&gt;(&lt;a href=&amp;quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Kiefern&amp;quot; target=&amp;quot;_blank&amp;quot;&gt;&lt;strong&gt;Teellu&lt;/strong&gt;&lt;/a&gt;), &lt;/strong&gt;wobei Bäume mit rotem Holz von trockenen Standorten vorgezogen, solche mit weissem Holz von nassen Standorten vermieden wurden. Genutzt wurde auch der Wurzelstock, in den man Löcher bohrte und diese mit Schwarzpulver füllte: &lt;strong&gt;Zack und man jagte ihn in die &lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;Luft, &lt;/strong&gt;anschliessend wurden alle Stücke zusammengesucht und für die Verwendung als &lt;strong&gt;Liechtholz &lt;/strong&gt;allenfalls noch zerkleinert. In Visperterminen gab es einzelne Familien, die &lt;strong&gt;Liechtholz &lt;/strong&gt;in kleinen Mengen an Haushaltungen in Visp verkauften, um zu etwas Geld zu kommen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Für die Föhren-Wurzelstöcke ist zudem überliefert, dass sie ausgesoffen wurden zur Gewinnung von Harzöl, das man gegen aufgesprungene Hände und zu Verbänden bei Klauenverletzungen des Viehes einsetzte. In diesem (tier-)medizinischen Bereich sind für das vordere Vispertal weitere Anwendungen von Harz zu nennen. Mit dem Weiss&amp;shy;tannenzapfenö, &lt;a href=&amp;quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Wei%C3%9F-Tanne&amp;quot; target=&amp;quot;_blank&amp;quot;&gt;&lt;strong&gt;&lt;strong&gt;Wiisstannuzapfuell&lt;/strong&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/a&gt;, das besonders in Albisried gewonnen wurde, stellte man Pflaster bei Quetschungen her. Wenn ein frisch geborenes Kälbchen sich am Nabel entzündete, wurde es mit Harz eingerieben. Hatte ein Tier eine eitrige Wunde, band man ein mit Harz bestrichenes Tuch daraUf. Ebenfalls ein &lt;strong&gt;Päch-Tüoch &lt;/strong&gt;verwendete man, wenn ein Schaf oder eine Ziege ein Bein gebrochen hatte. Zusammen mit einer Holzschiene ergab das eine Stabilisierung, die &lt;strong&gt;dann hart fast wie ein Gips wurde, &lt;/strong&gt;und die auch bei den Menschen Anwendung fand.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Verbreitet war der Einsatz von Harz bei den Hausschlachtungen der Schweine. Nach&amp;shy;dem man das Schwein getötet und ihm das Blut abgelassen hatte, legte man es in ein Holzbecken &lt;strong&gt;(&lt;strong&gt;Müolta&lt;/strong&gt;). &lt;/strong&gt;Danach wurde das vorbereitete Harz, das man mit einem Beil &lt;strong&gt;fast &lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;wie ein grobes Salz &lt;/strong&gt;zerschlagen hatte, auf das &lt;strong&gt;Schwii &lt;/strong&gt;gestreut oder sogar eingerieben. Im &lt;strong&gt;Brenn-Hafo, &lt;/strong&gt;mit dem auch Schnaps gebrannt wurde, hatte man unterdessen Wasser auf&amp;shy;gekocht, das nun über das Tier geleert wurde, worauf sich das &lt;strong&gt;Bäch &lt;/strong&gt;auflöste. Anschlie&amp;shy;ssend drehte man das Schwein mit einer Kette im harzhaltigen Wasser, worauf sich die Borsten mit einer &lt;strong&gt;Chella &lt;/strong&gt;leicht ablösen liessen. Für ein Tier wurde etwas mehr als eine Handvoll Harz gebraucht, vorzugsweise von der Tanne, währenddem dasjenige von der Lärche für diesen Zweck als weniger geeignet erachtet wurde.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Zahlreiche Gewährsleute erinnern sich schliesslich an das Kauen von Harz: &lt;strong&gt;Viele lachen &lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;heute, aber wir hatten statt Kaugummi das Päch im &lt;/strong&gt;Wald. Die einen bevorzugten das Harz der Lärchen oder Arven, die anderen fanden dasjenige der Föhren am geschmack&amp;shy;vollsten. Als Unterschiede zum Kaugummi von heute nennen die Zeitzeugen neben der längeren Kaudauer von einem halben Tag und der fehlenden Süsse vor allem die geringere Dehnbarkeit: &lt;strong&gt;Solche Blasen konnte man mit dem nicht machen.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Gegen jede Krankheit irgendeinen Tee gesammelt&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Die Zeitzeugen nennen für das vordere Vispertal zahlreiche Pflanzen, die als Zutaten für heilenden Tee gesammelt wurden, so Brennesseln &lt;strong&gt;(&lt;a href=&amp;quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Brennnesseln&amp;quot; target=&amp;quot;_blank&amp;quot;&gt;&lt;strong&gt;Nässje&lt;/strong&gt;&lt;/a&gt;), &lt;/strong&gt;Brombeerblätter, &lt;a href=&amp;quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Brombeeren&amp;quot; target=&amp;quot;_blank&amp;quot;&gt;&lt;strong&gt;&lt;strong&gt;Breemini &lt;/strong&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/a&gt;, Frauen&amp;shy;mänteli, &lt;a href=&amp;quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Frauenmantel&amp;quot; target=&amp;quot;_blank&amp;quot;&gt;&lt;strong&gt;&lt;strong&gt;Frowwumantla&lt;/strong&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/a&gt;, Hagebutte, &lt;a href=&amp;quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Hagebutte&amp;quot; target=&amp;quot;_blank&amp;quot;&gt;&lt;strong&gt;&lt;strong&gt;Hälfe&lt;/strong&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/a&gt; Huflattich &lt;strong&gt;(&lt;a href=&amp;quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Huflattich&amp;quot; target=&amp;quot;_blank&amp;quot;&gt;&lt;strong&gt;Sandmeije&lt;/strong&gt;&lt;/a&gt;), &lt;/strong&gt;Heidelbeerblätter, &lt;a href=&amp;quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Heidelbeeren&amp;quot; target=&amp;quot;_blank&amp;quot;&gt;&lt;strong&gt;&lt;strong&gt;Heite&lt;/strong&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/a&gt;, Schafgarbe, &lt;a href=&amp;quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Schafgarben&amp;quot; target=&amp;quot;_blank&amp;quot;&gt;&lt;strong&gt;&lt;strong&gt;Schaafgaarbe&lt;/strong&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/a&gt;,&amp;nbsp; Silbermänteli, &lt;a href=&amp;quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Alpen-Frauenmantel&amp;quot; target=&amp;quot;_blank&amp;quot;&gt;&lt;strong&gt;&lt;strong&gt;Silbermantla&lt;/strong&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/a&gt;, Spitzwegerich und Thymian, &lt;a href=&amp;quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Sand-Thymian&amp;quot; target=&amp;quot;_blank&amp;quot;&gt;&lt;strong&gt;&lt;strong&gt;Chella&lt;/strong&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/a&gt;.&lt;strong&gt; &lt;/strong&gt;Hinzu kamen die Lindenblüten &amp;ndash; praktisch jeder Familie stand direkt vor dem Haus der entsprechende Baum zur Verfügung. Ein Zeitzeuge holte für sich regelmässig Weidenröschen: &lt;strong&gt;Das ist für Männer; für das Wasser ist das gut. Das holte ich ein paar Jahre immer. &lt;/strong&gt;Aus der Wurzel des Gelben Enzians&lt;strong&gt;, &lt;strong&gt;&lt;a href=&amp;quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Gelber_Enzian&amp;quot; target=&amp;quot;_blank&amp;quot;&gt;Jänzina&lt;/a&gt;, &lt;a href=&amp;quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Enzian_(Schnaps)&amp;quot; target=&amp;quot;_blank&amp;quot;&gt;Jänzinuschnaps&lt;/a&gt;, Jänzinuwurtze&lt;/strong&gt;, &lt;/strong&gt;der oben beim Törbelbach zu finden war, machte man einen Tee, der bei kranken Tieren helfen sollte. Vielfältige Verwendung fand Wermut &lt;strong&gt;(&lt;a href=&amp;quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Wermutkraut&amp;quot; target=&amp;quot;_blank&amp;quot;&gt;&lt;strong&gt;Wäärmüeta&lt;/strong&gt;&lt;/a&gt;&lt;/strong&gt;), der als Tee bei Verletzungen aller Art, Blutvergiftung oder Magenschmerzen eingesetzt wurde. Es wird von Frauen be&amp;shy;richtet, &lt;strong&gt;die gegen jede Krankheit irgendeinen Tee gesammelt haben.&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Zusätzliche genutzte Heilpflanzen finden sich in Steblers &amp;laquo;DieVispertaler Sonnenberge&amp;raquo; (1921), zum einen die etwas weniger häufig gesammelten Dost, Edelraute, Fünffingerkraut &lt;strong&gt;(Potentilla argentea), &lt;/strong&gt;Gletscherhahnenfuss, gelbes Labkraut&lt;strong&gt;&amp;nbsp; (Arnica monta&amp;shy;&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;na), &lt;/strong&gt;Schafgarbe und Thymian; zum anderen die zwei besonders intensiv und kommer&amp;shy;ziell genutzten Heilpflanzen Bärentraube &lt;strong&gt;(&lt;a href=&amp;quot;http://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%A4rentrauben&amp;quot; target=&amp;quot;_blank&amp;quot;&gt;&lt;strong&gt;Garlen&lt;/strong&gt;&lt;/a&gt;) &lt;/strong&gt;und Isländisch Moos &lt;strong&gt;(&lt;a href=&amp;quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Isl%C3%A4ndisches_Moos&amp;quot; target=&amp;quot;_blank&amp;quot;&gt;&lt;strong&gt;Dirrigag&lt;/strong&gt;, &lt;strong&gt;Ggragg&lt;/strong&gt;&lt;/a&gt;). &lt;/strong&gt;In Zeneggen sammelte man vor allem in den Jahren des Ersten Weltkriegs die Blätter der Bärentraube, die sich als niederer Strauch gewöhnlich im lichten Föhren- und Tannenwald findet. Die Stauden wurden mit der Hand ausgerupft und zu Hause im Schatten getrock&amp;shy;net; später wurden die Blätter abgeklopft und dem Zwischenhändler verkauft.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Von Unterbäch lieferte man grosse Mengen von Isländisch Moos als Arzneipflanze nach Zürich-, gemäss der Andeutung eines Zeitzeugen könnte hinter diesem Handel eine An&amp;shy;regung Steblers stehen. Die Flechte kommt besonders in hohen Lagen vor und über&amp;shy;zieht an Nordhängen den Boden mit einer handhohen Schicht. Die Sammler zogen oft schon kurz nach Mitternacht aus, um rechtzeitig in der Höhe zu sein. Am frühen Morgen und im Laufe des Vormittages wurde gesammelt, die Ernte zum Trocknen ausgebreitet, im Laufe des Nachmittags in Säcke verpackt und diese auf Schlitten insTal geschafft. Ein Mann konnte mit zwei bis drei Kindern im Tag auf guten Plätzen für 30 bis 40 Franken &lt;strong&gt;Dirrigag &lt;/strong&gt;sammeln; da das Isländisch Moos rund sieben Jahre braucht, bis es wieder nachgewach&amp;shy;sen ist, waren aber schon zu Steblers Zeiten die besten Lagen bereits ausgebeutel.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ein Zeitzeuge erzählt, wie der Grossvater, der oft mit Friedrich Gottlieb Stebler zusammen war und mit diesem die Leidenschaft für Botanik teilte, ihm und seinen Geschwistern alle regional vorkommenden Pflanzen mit Namen erklärte. Damit wussten wir alles und &lt;strong&gt;um so das erste Geld zu verdienen, haben wir im Wald Chriiter gesammelt, &lt;/strong&gt;die nach Zofingen an die &amp;laquo;Siegfried AG&amp;raquo; verkauft werden konnten. Ebenfalls für den Verkauf wurden die Blüten der &lt;strong&gt;Alpuroose &lt;/strong&gt;gesammelt, vorzugsweise durch Kinder &lt;strong&gt;so zwischendurch. &lt;/strong&gt;Die gedörrten Hei&amp;shy;delbeerstauden wurden von Kräuterhändlern aufgekauft. Und auf dem Martinimarkt in Visp verkaufte man gesammelte Frauenmänteli, &lt;strong&gt;das war dann das Taschengeld.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Für das vordere Vispertal sind zudem zwei heilende Flüssigkeiten überliefert. Der Saft von Wachholder wurde als Sehnenöl,&lt;strong&gt;&lt;strong&gt; Seenuell &lt;/strong&gt;&lt;/strong&gt;aus Beeren und Zweigspitzen destilliert und äusser&amp;shy;lich angewendet. Die Birken bohrte man im Frühling beim Safttrieb an und band ein Gefäss vor das Bohrloch zum Sammeln des Saftes, der als Blutreinigung mit Milch getrun&amp;shy;ken wurde. Ausserdem wurde Birkensaft, &lt;a href=&amp;quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Birkensaft&amp;quot; target=&amp;quot;_blank&amp;quot;&gt;&lt;strong&gt;Birchusaft &lt;/strong&gt;&lt;/a&gt;zum Reinigen der Haare verwendet.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ebenfalls um Wirkstoffe in flüssiger Form ging es bei den genannten Rauschmitteln. Weinersatz stellte man aus Heidelbeeren oder auch aus Berberitzenbeeren &lt;strong&gt;(&lt;a href=&amp;quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Berberitzen&amp;quot; target=&amp;quot;_blank&amp;quot;&gt;&lt;strong&gt;Schwiderbeeri&lt;/strong&gt;&lt;/a&gt;) &lt;/strong&gt;her. Aus Wilden Kirschen wurde Schnaps gebrannt. Kräuter aus dem Wald oder auch oberhalb der Waldgrenze bis zu den Moränen der Gletscher brauchte man für &lt;strong&gt;&lt;strong&gt;Chriiterschnaps&lt;/strong&gt;&lt;/strong&gt;.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Einzelne Gewährsleute gewinnen bis heute Kräuter &lt;strong&gt;im Wald oder auf der Moosalpa oben. &lt;/strong&gt;Beispielsweise sammelt eine Zeitzeugin immer noch &lt;strong&gt;Chriiter &lt;/strong&gt;für ihre spezielle Teemischung, die für die Tochter in Zürich und den Sohn in Bern bestimmt ist. Dem&amp;shy;gegenüber bedauert ein Zeitzeuge, dass schon seit längerem nur noch wenig Heilpflanzen gesammelt werden, dies sterbe praktisch mit den alten Leuten aus: &lt;strong&gt;Die Jungen gehen in die Apotheke.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;An dieser Stelle bleibt nachzutragen, dass sich keine Hinweise auf einen Wirkstoff zum Gerben finden liess. Es muss hier offenbleiben, auf welcher Basis man beispielsweise in Törbel Leder gerbte, ist doch hier in verschiedenen Häusern die Lohgerberei nachge&amp;shy;wiesen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Martin Stuber / Matthias Bürgi: Hüeterbueb und Heitistähl&lt;/strong&gt;. Traditionelle Formen der Waldnutzung in der Schweiz, 1800 bis 2000. Haupt, Herausgeber: Ruth und Herbert Uhl-Forschungsstelle für Natur- und Umweltschutz, Bristol-Stiftung, Zürich, &lt;a href=&amp;quot;https://paul-schiller-schriftenreihe.ch/&amp;quot; target=&amp;quot;_blank&amp;quot;&gt;www.bristol-stiftung.ch&lt;/a&gt;, Bern, 2011, S.&amp;nbsp; 130 - 134&lt;/p&gt;

&lt;h5&gt;SV, 18. 4. 21014&lt;/h5&gt;
</description>
			<pubDate>Tue, 16 Feb 2021 00:00:00 +0100</pubDate>
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		</item>
		<item>
			<link>https://www.walsermuseum.ch/arbeit/waldnutzung/naahrig-beerini,-nussae,-pilza-320</link>
			<title>Naahrig: Beerini, Nussä, Pilza</title>
			<description>&lt;h3&gt;Einen Schtreel zu haben, war zwar verboten&lt;/h3&gt;

&lt;p&gt;Das Sammeln von Beeren im Wald war im vorderen Vispertal sehr verbreitet. Die Gewährs&amp;shy;leute nennen mit Abstand am häufigsten die Heidelbeere &lt;strong&gt;(&lt;strong&gt;Heita&lt;/strong&gt;, &lt;strong&gt;Heipper&lt;/strong&gt;), &lt;/strong&gt;die vor allem weit oben in lichten Wäldern oder auch oberhalb der Waldgrenze geholt wurde, daneben auch Erdbeere &lt;strong&gt;(&lt;strong&gt;Ärdber&lt;/strong&gt;), &lt;/strong&gt;Brombeere &lt;strong&gt;(&lt;strong&gt;Breemer, Breemini&lt;/strong&gt;), &lt;/strong&gt;Preiselbeere &lt;strong&gt;(&lt;strong&gt;Griifle&lt;/strong&gt;) &lt;/strong&gt;und Himbeere &lt;strong&gt;(&lt;strong&gt;Him&amp;shy;per&lt;/strong&gt;). &lt;/strong&gt;Brombeer- und Himbeersträucher hielt man damals noch nicht im eigenen Gar&amp;shy;ten.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Als Sammelgefässe verwendete man Kessel, Kübel &lt;strong&gt;(&lt;strong&gt;Chibji&lt;/strong&gt;), &lt;/strong&gt;Korb, Tragebütte &lt;strong&gt;(&lt;strong&gt;Bränta&lt;/strong&gt;) &lt;/strong&gt;oder Rückenkorb &lt;strong&gt;(&lt;strong&gt;Tschiffera&lt;/strong&gt;).&amp;nbsp; &lt;/strong&gt;Manchmal wurden die kleineren Fünfliter-&lt;strong&gt;Gischirr &lt;/strong&gt;zum Heimtragen in die grösseren &lt;strong&gt;Tschiffere &lt;/strong&gt;gestellt. Berichtet wird von beachtlichen 18 Litern gesammelten Beeren pro Tag und Person, oder von 30 bis 50 Kilogramm pro Gruppe. Man sammelte in unterschiedlichen Zusammensetzungen: vielleicht am häufigsten die Mütter zusammen mit ihren Kindern, nicht selten aber auch die älteren Kinder alleine oder umgekehrt zwei, drei Frauen zusammen ohne Kinder, da &lt;strong&gt;konnten sie das machen, was sie wollten. &lt;/strong&gt;Es gab aber auch Familien, in denen sich alle &amp;ndash; also auch der Vater &amp;ndash; am Beeren&amp;shy;suchen beteiligten, einfach wer gerade Zeit hatte.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Nur wenige lasen die Heidelbeeren ohne Hilfsmittel von Hand ab. Die meisten ver&amp;shy;wendeten einen gekauften &lt;strong&gt;&lt;strong&gt;Schtreel&lt;/strong&gt;, &lt;strong&gt;Heitustreel &lt;/strong&gt;&lt;/strong&gt;hergestellt aus Buchenholz und mit eisernen Zähnen versehen. Zwei Zeitzeugen weisen darauf hin, dass die Nutzung des &lt;strong&gt;Schtreels &lt;/strong&gt;mit der Zeit nicht mehr erlaubt war. Ein anderer betont, wie sehr das Verbot nur auf dem Papier bestand: &lt;strong&gt;Einen Schtreel zu haben, war zwar verboten ... aber das war ja dann gleich wie beim Chrisse.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Von einem Verkauf der gesammelten Beeren wird bloss sehr vereinzelt berichtet, etwa an einen Privatkunden oder an Touristen im Dorf. Die meisten Gewährsleute unter&amp;shy;streichen dagegen, dass alles für den Eigenbedarf verwendet wurde-, dabei wird allgemein betont, wie diese Selbstversorgungsgesellschaft noch kaum von der Geldwirtschaft durch&amp;shy;drungen war: &lt;strong&gt;Nein, bei uns wurde nur der Butter verkauft. Sonst war praktisch nichts.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Viele machten aus den Beeren in erster Linie &lt;strong&gt;&lt;strong&gt;Konfitüür&lt;/strong&gt;. &lt;/strong&gt;Nach dem ein- oder zwei&amp;shy;tägigen Sammeln &lt;strong&gt;kam man heim, machte das in einen Topf rein, kochte das ein und machte &lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;Zucker rein, dann war es fertig. &lt;/strong&gt;In einem schlechten Beerenjahr wurde einfach weniger Konfitüre gegessen. Andere kauften etwas hinzu, mit dem Argument: &lt;strong&gt;Wenn man Konfi&amp;shy;tüür machte, brauchte man dann auch wieder Zucker. Den musste man ja auch wieder kaufen. Das kam dann fast auf das gleiche raus. &lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Die Heidelbeeren wurden aber auch frisch genutzt, mit ein wenig Rahm als Dessert oder auch als &lt;strong&gt;&lt;strong&gt;Heituchüocho&lt;/strong&gt;: &lt;/strong&gt;Man erwärmte etwas Butter oder Tierfett in der Pfanne, röstete darin das Weizenmehl, löschte es je nach Vorliebe mit Wasser oder mit Wein ab und gab die Heidelbeeren mit drei bis vier Löffel pro Pfanne hinein. Ein solcher &lt;strong&gt;&lt;strong&gt;Chüocho &lt;/strong&gt;&lt;/strong&gt;diente als richtige Mahlzeit, &lt;strong&gt;das war dann schon nahrhaft.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Weitere genannte Waldfrüchte sind Hagebutten, &lt;strong&gt;&lt;strong&gt;Hälfe&lt;/strong&gt;&lt;/strong&gt;, wilde Kirschen und Pflaumen &lt;strong&gt;(Frümini) &lt;/strong&gt;sowie die Trauben des schwarzen Holunders. Intensiv gesammelt wurden in Visperter&amp;shy;minen die Hagebutten &lt;strong&gt;(Hälfe), &lt;/strong&gt;die man im Dorf an Zwischenhändler verkaufen konnte.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Im selben Zusammenhang zu erwähnen sind die jungen Weisstannenspitzen, &lt;strong&gt;&lt;strong&gt;Tannuspitzukonfitüür &lt;/strong&gt;&lt;/strong&gt;oder &lt;strong&gt;&lt;strong&gt;Tannuspitzusiirop &lt;/strong&gt;&lt;/strong&gt;die man im Frühling gewann und zu Konfitüre, Melasse oder Sirup verarbeitete; ebenso die Beeren des Wachholder &lt;strong&gt;(&lt;strong&gt;Räkkolder&lt;/strong&gt;) &lt;/strong&gt;als Beigabe zum Sauerkraut.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Bis heute wird eine Zeitzeugin von ihrer Kollegin aufgefordert, wieder einmal &lt;strong&gt;Heiteuchüocho &lt;/strong&gt;zu machen. Viele gehen die &lt;strong&gt;Heite &lt;/strong&gt;heute aber nicht mehr selber sammeln, sondern kaufen sie in der Migros; demgegenüber sind oft (deutsche) Gäste zu sehen, die hier noch Beeren sammeln gehen.&lt;/p&gt;

&lt;h3&gt;Wenn der Tannenhäher nicht alle gefressen hatte&lt;/h3&gt;

&lt;p&gt;Laut Steblers Wispertaler Sonnenberge (1921) war das &lt;strong&gt;&lt;strong&gt;Zäpfebäcku&lt;/strong&gt;, &lt;/strong&gt;was soviel heisst wie das Aufknacken der Arvennüsschen mit den Zähnen, die &lt;strong&gt;beliebteste Unterhaltung der Jüngern Generation. &lt;/strong&gt;Auch in der Erinnerung der Zeitzeugen zählten die Arvennüsschen geradezu als &lt;strong&gt;Delikatesse. &lt;/strong&gt;Gewonnen wurden die &lt;strong&gt;Arve-Zäpfe &lt;/strong&gt;sowohl vom Boden, als auch direkt vom Baum, wobei man sie entweder mit einem langen Stecken herab schlug oder mittels Hinaufklettern herunterholte, teilweise mit Hilfe einer Leiter. Das Klettern bis zu den Arvenwipfeln war nicht ungefährlich: &lt;strong&gt;Manchmal fiel einer hinunter und brach sich ein Bein. &lt;/strong&gt;Weil sich die grössten Zäpfen an den schwierig zu erreichenden Gipfel&amp;shy;trieben befinden, wurde trotz gesetzlichem Verbot nicht selten gleich der gesamte Gipfel abgeschnitten. An einem Sonntag gingen oft ganze Gruppen gemeinsam zur Gewinnung der Nüsschen; man sammelte sie zudem nebenbei beim Hüten des Viehs oder beim Holz-holen. Günstig war der September, &lt;strong&gt;wenn der Tannenhäher nicht alle gefressen hatte; &lt;/strong&gt;ging man dagegen Anfang August, &lt;strong&gt;waren sie noch nicht so weit.&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Nach der Ernte waren die Nüsschen zuerst noch ziemlich &lt;strong&gt;bächchig. &lt;/strong&gt;Zum Trocknen und Nachreifen legte man die gesamten &lt;strong&gt;Arve-Zäpfe &lt;/strong&gt;auf den Heustock, den Speicher oder in den Keller, damit sie bis in den Winter reif &lt;strong&gt;(&lt;strong&gt;tschellig&lt;/strong&gt;) &lt;/strong&gt;wurden und sich die Zapfenschuppen öffneten. Erst in diesem Zustand fielen die über hundert Nüsschen, die ein mittlerer Zapfen beinhaltet heraus oder liessen sich leicht herausklauben. Später warf man sie &amp;ndash;etwa an einem Sonntagnachmittag oder an einem Winterabend &amp;ndash; ins Feuer zum Rösten, machte sie mit den Zähnen auf und kaute sie, &lt;strong&gt;da konnte man fast nicht mehr aufhören. &lt;/strong&gt;Es war von der Ernährung &lt;strong&gt;kein Dings, sicher nicht. Aber es war ein Zeitvertrieb.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Zu ergänzen ist eine weitere Information von Stebler, wonach am untern Waldrand ober&amp;shy;halb von Zeneggen und im Schuttgebiet der alten Bergstürze im Herbst von kleinen und grossen Kindern häufig Haselnüsse gesammelt wurden. Während zur Zeit Steblers den Arvenzäpfen so stark nachgestellt wurde, &lt;strong&gt;dass man &lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;Ende September selten mehr einen Zapfen auf den Bäumen findet, &lt;/strong&gt;und die Vermehrung der Arve massiv beeinträchtigt sah, werden sie heute kaum noch genutzt.&lt;/p&gt;

&lt;h3&gt;Die meisten Leute kannten die Pilze gar nicht&lt;/h3&gt;

&lt;p&gt;Die Mehrzahl der Gewährsleute gibt an, dass die Pilze von ihnen &amp;ndash; und im vorderen Visper&amp;shy;tal allgemein &amp;ndash; nicht genutzt wurden: &lt;strong&gt;die meisten Leute kannten die Pilze gar nicht. &lt;/strong&gt;Ein Zeitzeuge erinnert sich an eine Matte auf der &lt;strong&gt;Voralpa, &lt;/strong&gt;wo besonders viele Bovisten wuch&amp;shy;sen, die man &lt;strong&gt;&lt;strong&gt;Tabakpfiffe &lt;/strong&gt;&lt;/strong&gt;nannte, weil sie alles verstäubten. Obschon sie &lt;strong&gt;als Nahrungsmit&amp;shy;tel gar nicht schlecht gewesen &lt;/strong&gt;wären, habe man diese Pilze aus Unkenntnis aber nicht entsprechend verwendet, sondern bloss von der Wiese entfernt.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Dass man hier Pilze suchen ging, war die Ausnahme. Ein Zeitzeuge berichtet von den 1940er-Jahren, als gesammelte Pilze an Privatkunden verkauft wurden. Ein Anderer erzählt von seiner Familie, die &lt;strong&gt;&lt;strong&gt;Schteipilz &lt;/strong&gt;&lt;/strong&gt;und vor allem &lt;strong&gt;&lt;strong&gt;Eierschwämm &lt;/strong&gt;&lt;/strong&gt;nutzte, von denen es damals &lt;strong&gt;riesige Mengen &lt;/strong&gt;gab-, die ältere Schwester und die Mutter sammelten in grösserem Stil für Haus- oder Hotelgäste, und füllten dabei innerhalb einer Stunde 5 bis 6 kg in ihre &lt;strong&gt;Tschiffere. &lt;/strong&gt;Ein Dritter, der selber &lt;strong&gt;ein bisschen Angst vor den Pilzen &lt;/strong&gt;hatte, berichtet von seinem sammelnden Bruder.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Heute sammeln neben einzelnen Gewährsleuten - &lt;strong&gt;ich gehe vielleicht alles in allem ein oder zwei Kilogramm holen - &lt;/strong&gt;auch deren Brüder, Söhne und Schwiegertöchter. Genom&amp;shy;men werden jetzt auch weitere Arten vvie Blaulinge, Bovisten und Champignons. Mehrfach beklagt wird die intensive und ungeregelte Nutzung durch die auswärtigen Gäste, die &lt;strong&gt;kilo&amp;shy;weise jeden Tag holen gehen. &lt;/strong&gt;Besonders die &lt;strong&gt;Eierschwämm &lt;/strong&gt;würden schon ausgegraben, &lt;strong&gt;wenn sie kaum schon 2 bis 3 cm hoch sind und man nur etwas Leichtgelbes sieht; &lt;/strong&gt;dies habe für den Wald fast schlimmere Folgen als &lt;strong&gt;wie man früher das Vieh in den Wald liess.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Martin Stuber / Matthias Bürgi: Hüeterbueb und Heitistähl&lt;/strong&gt;. Traditionelle Formen der Waldnutzung in der Schweiz, 1800 bis 2000. Haupt, Herausgeber: Ruth und Herbert Uhl-Forschungsstelle für Natur- und Umweltschutz, Bristol-Stiftung, Zürich, &lt;a href=&amp;quot;https://paul-schiller-schriftenreihe.ch/&amp;quot; target=&amp;quot;_blank&amp;quot;&gt;www.bristol-stiftung.ch&lt;/a&gt;, Bern, 2011, S.&amp;nbsp; 127 - 129&lt;/p&gt;

&lt;h5&gt;SV, 17. 4. 21014&lt;/h5&gt;
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			<pubDate>Tue, 16 Feb 2021 00:00:00 +0100</pubDate>
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			<link>https://www.walsermuseum.ch/arbeit/waldnutzung/unerlag-nadle-und-loeibstrew-319</link>
			<title>Unerlag: Nadle- und Löibstrew</title>
			<description>&lt;h2&gt;Nadelstreue&lt;/h2&gt;

&lt;p&gt;Das vordere Vispertal gehört historisch zur &amp;laquo;Inneralpinen Agrarzone&amp;raquo;, man kombinierte also die intensive Viehwirtschaft mit einem gewissen Getreidebau, der im Berichterstatter&amp;shy;zeitraum noch sehr präsent war und erst in den 1960er-Jahren entscheidend zurückging.61 Trotzdem konnte der Bedarf an Einstreue zur Bindung des Dungs im Stall nur zu einem geringen Teil aus dem anfallenden Stroh gedeckt werden. Zum einen weil das Stroh als Einstreumaterial nicht sonderlich beliebt war, &lt;strong&gt;es sog einfach zu wenig auf, &lt;/strong&gt;zum anderen brauchte man den grösseren Teil der zurVerfügung stehenden Menge als Viehfutter und als Bettstroh. Abgesehen vom &lt;strong&gt;&lt;strong&gt;Buschga&lt;/strong&gt;, &lt;/strong&gt;dem sauren und harten Gras der Magerwiesen, das teilweise ebenfalls als Streue verwendet wurde, war man also stark auf die Gewinnung von Einstreue aus dem Wald angewiesen. Für Visperterminen wird der mittlere Bedarf einer Haushaltung mit 10 bis 12 Schlittenladungen im Jahr angegeben. Der Verbrauch war nicht einfach zu senken, denn dort, wo sie zu sehr sparten, &lt;strong&gt;war dann das Vee dreckiger &lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;oder schmutziger und man musste mehr putzen.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;

&lt;h3&gt;Die schönen Plätze waren immer übemutzt&lt;/h3&gt;

&lt;p&gt;Am begehrtesten war das &lt;strong&gt;Rottannechriss, &lt;/strong&gt;da es &lt;strong&gt;die Feuchtigkeit am besten aufsaugte. &lt;/strong&gt;Ebenfalls beliebt war das Sammeln unter der &lt;strong&gt;Wysstanne, &lt;/strong&gt;die &lt;strong&gt;ziemlich viel Chriss fallen &lt;/strong&gt;lässt. VVeniger günstig beurteilte man die Nadeln der Lärche: zum einen &lt;strong&gt;vergehen &lt;/strong&gt;sie nur langsam, zum anderen wurde durch das Gras, das zu diesen Beständen gehört, das Zusammenrechen der Nadeln erschvvert.Trotzdem wurden diese an bestimmten Orten intensiv genutzt. Der Wirtschaftsplan über die Waldungen der Burgergemeinde Visperter&amp;shy;minen (1928) hält fest: &lt;strong&gt;Es gibt Standorte in allerbesten Lage (Gerstemwaldz. B.), wo durch generationenlanges Streuesammeln der Boden verhärtet und ausgemagert wurde. Die Lärche wird dort kaum 20 Meter lang! &lt;/strong&gt;Gar nicht gesammelt wurden dagegen Föhrenna&amp;shy;deln, man erachtete sie als zu harte Unterlage für das Vieh.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Gewonnen wurde die Nadelstreue meist mit einem rund 30 cm breiten (vgl. &lt;a class=&amp;quot;internal-link&amp;quot; href=&amp;quot;?id=53&amp;quot;&gt;&lt;strong&gt;&lt;strong&gt;Chrissu&lt;/strong&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/a&gt;) Eisenrechen, versehen mit 5 cm langen &lt;strong&gt;lisu-Zend &lt;/strong&gt;und einem 1 bis 1,5 m langen Holzstiel. Man zog ihn dem Holzrechen vor, weil er &lt;strong&gt;enger &lt;/strong&gt;und &lt;strong&gt;dadurch effizienter &lt;/strong&gt;war. Einzelne betonen dage&amp;shy;gen, sie hätten einen Rechen aus Holz verwenden müssen, weil ihnen gesagt wurde, &lt;strong&gt;dass &lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;die lisu-Räche dem Wald schaden &lt;/strong&gt;und sie Angst gehabt hätten, &lt;strong&gt;dass der Förster einen bestraft. &lt;/strong&gt;Tatsächlich wurde der Einsatz von Instrumenten aus Eisen zur Streugewinnung in den Burgerwäldern in Visperterminen (1928) ebenso wie in Zeneggen (1929) unter&amp;shy;sagt. In den 1940er-Jahren versuchte auch der Kreisförster, gegen den Metallrechen Druck zu machen, konnte sich aber nicht durchsetzen. Um nicht entdeckt zu werden, versteckte man den &lt;strong&gt;&lt;strong&gt;lisu-Rächu &lt;/strong&gt;&lt;/strong&gt;nach Gebrauch einfach im Korb unter der gesammelten Nadelstreue.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Die meisten Gewährsleute berichten, dass die gesammelte Streue vorerst im Wald zwischengelagert wurde. Man erstellte mächtige, 2.5 bis 4 m hohe &lt;strong&gt;Chrisshaufen, &lt;strong&gt;Chrisshüffo &lt;/strong&gt;&lt;/strong&gt;mit einem Durchmesser bis zu 4 m, die zwecks Witterungsschutz teilweise unter grossen Tannen angelegt oder auch mit grossen Ästen zugedeckt wurden; eine weitere Möglich&amp;shy;keit, das Eindringen von zu viel Feuchtigkeit zu verhindern, war, sie gegen oben &lt;strong&gt;spitz &lt;/strong&gt;zu machen, so &lt;strong&gt;dass das Wasser abläuft. &lt;/strong&gt;Um Besitzstreitigkeiten zu vermeiden, steckte jede Familie ihr &lt;strong&gt;&lt;strong&gt;Hüüszeichu &lt;/strong&gt;&lt;/strong&gt;in die von ihr gesammelten Haufen. Im Winter füllte man dann die Streue in rund zwei auf zwei Meter grosse &lt;strong&gt;&lt;strong&gt;Füetertiächer&lt;/strong&gt;, &lt;/strong&gt;knüpfte alle vier Ecken zusam&amp;shy;men und lud zwei bis drei davon auf den Schlitten. Teilweise wurde die gesammelte Streue auch in den grossen &lt;strong&gt;&lt;strong&gt;Chrisstschiffera &lt;/strong&gt;&lt;/strong&gt;ins Dorf getragen. Oft schickte man auch die Kinder in den Wald, um eine &lt;strong&gt;&lt;strong&gt;Tschiffreta&lt;/strong&gt; &lt;/strong&gt;Streue zu holen, die sie dann eine Stunde heim&amp;shy;tragen mussten.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ein Zeitzeuge erzählt von einem Transport aus einem schwer zugänglichen Gebirgswald, der nur mit Steigeisen &lt;strong&gt;(&lt;strong&gt;Gräppini&lt;/strong&gt;) &lt;/strong&gt;zu erreichen war-, von dort spannte sein Vater ein rund 700 m langes Kabel bis ins Dorf, an dem sie die mit Streu gefüllten, 30 bis 35 kg schweren Jutesäcke hinuntergleiten liessen - eine Technik, die auch beim Transport von Wildheu eingesetzt wurde. Die dazu nötigen &lt;strong&gt;&lt;strong&gt;Hääggä &lt;/strong&gt;&lt;/strong&gt;wurden aus dürren Ästen mit einem Durch&amp;shy;messer von 6 bis 7 cm hergestellt, in die man ein 2 cm dickes Loch bohrte, das dann zwecks leichterem Gleiten mit Öl gefüllt wurde.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Mehr so zwischendurch nahm man zwar auch etwas Nadelstreue aus dem eigenen Privatwald, den weitaus grössten Teil holte man aber aus den burgerlichen Wäldern. In den Wirtschaftsplänen dieser Wälder wird beklagt, dass die intensive Streunutzung die Naturverjüngung ebenso wie die Bodenqualität massiv vermindere, was zu vorratsarmen Beständen führe. Zudem erfolgte die Nutzung in räumlicher Konzentration. Viele Wälder kamen für die Streunutzung nicht in Frage, weil sie zu weit entfernt und die Wegverhältnisse zu schlecht waren, &lt;strong&gt;umsomehr werden deshalb die nahe gelegenen Wälder herange&amp;shy;&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;zogen. &lt;/strong&gt;Folgerichtig fordert beispielsweise der Wirtschaftsplan von Zeneggen (1902) dringend Massnahmen, um die bis anhin &lt;strong&gt;grenzenlose &lt;/strong&gt;Streunutzung &lt;strong&gt;zeit- und ortsweise zu reduzieren. &lt;/strong&gt;Sowohl in den Wirtschaftsplänen als auch in den Zeitzeugeninterviews finden sich entsprechende Bemühungen um Regulierung.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;In Törbel durfte man nur im Herbst während drei, vier aufeinander folgenden Samstagen &lt;strong&gt;chrissu &lt;/strong&gt;gehen, sonst war es &lt;strong&gt;strafbar, &lt;/strong&gt;örtlich hatte es nicht immer am gleichen Ort zu geschehen, so &lt;strong&gt;dass das ganze Gebiet ein bisschen darunter leiden musste und nicht nur bestimmte Stellen-, &lt;/strong&gt;die Gemeinde machte diese Ankündigungen jeweils auf dem Dorfplatz am Sonntag nach der Kirche, &lt;strong&gt;&lt;strong&gt;Verchintu&lt;/strong&gt;&lt;/strong&gt;. Dabei galt es an den entsprechenden Tagen unbedingt rechtzeitig dort zu sein: &lt;strong&gt;Den letzten beissen die Hunde. &lt;/strong&gt;Laut Stebler (1921) war in den Wäldern Törbels zudem das Anlegen von Streuhaufen verboten-, jeder durfte nur soviel Streue sammeln, wie er gerade mitnehmen konnte.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;In Zeneggen wurde die Streunutzung in verschiedenen Abteilungen ganz untersagt; in den anderen war sie während je zwei Tagen im Frühling und im Herbst, &lt;strong&gt;die von der Gemeindeverwaltung zu bestimmen sind, &lt;/strong&gt;unter der Aufsicht des Revierförsters gestat&amp;shy;tet. Ein Zeitzeuge erinnert sich, dass man an diesen Samstagen &lt;strong&gt;einfach schauen musste, &lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;dass man das Zeug zusammenbringt, es &lt;/strong&gt;kamen alle, der Vater, die Mutter und die Kinder-, und man musste weite Wege gehen: &lt;strong&gt;die schönen Plätze waren immer übernutzt. &lt;/strong&gt;Auch in Visperterminen verbot man das Holen der Streue in bestimmten Abteilungen ganz, so be&amp;shy;sonders im Banngebiet; zudem wurden die maximale Menge pro Haushalt und Jahr auf &lt;strong&gt;sechs Schlittenladungen ä fünf normale Säcke &lt;/strong&gt;beschränkt. In St. Niklaus liess der Förster gewisse Parzellen nach dem &lt;strong&gt;Chrissen &lt;/strong&gt;anschliessend für fünf bis zehn Jahre schonen.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;In den Zeitzeugeninterviews zeigen sich aber auch gewisse Grenzen solcher Regulie&amp;shy;rungsbemühungen. Verschiedentlich wird berichtet, dass zusätzliches &lt;strong&gt;Chriss &lt;/strong&gt;heimlich ge&amp;shy;sammelt und in den &lt;strong&gt;Tschiffere &lt;/strong&gt;unter Moos oder Ästen versteckt in den Stall transportiert wurde. Wer vom Förster ausserhalb der erlaubten Streunutzungszeiten erwischt wurde, musste zwar eine Busse bezahlen, die war aber &lt;strong&gt;nicht richtig abschreckend, &lt;/strong&gt;man stand einfach &lt;strong&gt;ein bisschen blöd da.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;

&lt;h3&gt;Laubstreue: Die Matte sauber geputzt&lt;/h3&gt;

&lt;p&gt;Im vorderen Vispertal standen einige weitere Streuematerialien ergänzend zur Verfügung, wenn auch in weit geringerem Ausmass als die Nadelstreue. Genutzt wurde vor allem das Laub der Eschen, Birken und Espen sowie der Äpfel- und Kirschbäume auf dem Privatland in der Nähe des Dorfs. Man wischte einfach das Falllaub zusammen, band es in einem Tuch zusammen und trug es auf dem Rücken heim. Als willkommener Nebeneffekt &lt;strong&gt;waren die Matten saubergeputzt. &lt;/strong&gt;Ebenfalls als Einstreue erwähnt werden das innWald gewonnene Moos sowie &amp;mdash; seit den 1960er-Jahren &amp;mdash; Sägemehl, das in den Sägereien anfiel.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Die Bettlaubnutzung wurde hier dagegen nicht ausgeübt. Als traditionelle Bettunterlage diente ein Leinensack &lt;strong&gt;(&lt;strong&gt;Bisagga&lt;/strong&gt;), &lt;/strong&gt;den man mit Roggenstroh füllte; für die Kinderbetten verwendete man Weizenstroh und für das Wickelkind Maisstroh (Mais wurde meistens nur im Talgrund angepflanzt, deshalb war Maistroh selten und fand, je näher man dem Talboden gelegen war, um so weitere Verbreitung; z.B. hatten wir in Ausserberg fast nur Maisblätter als Füllung; Anm. die Redaktion). Im vorderen Vispertal herrschte noch 1922 auch deshalb ein Streuemangel, weil eine beträchtliche Menge Stroh zur Füllung solcher Bettunterlagen verwendet wurde. Dabei ist zu bedenken, dass man das Stroh jährlich auswechselte, teilweise sogar zwei- bis dreimal im Jahr, zum einen als Schutz vor Mäusen und Ungeziefer, zum anderen aus Gründen des Schlafkomforts. Auf der Alp schlief man dagegen nicht auf Stroh, sondern auf einem Läger aus Wildgras &lt;strong&gt;(&lt;strong&gt;Faxa&lt;/strong&gt;), &lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;da kam dann die Decke drauf. &lt;/strong&gt;Zum Stopfen der Bettkissen nutzte man die Fruchthaare der Ackerdistel, die auf lichten Waldstellen dichte Bestände bildet.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Seit den 1940er- und 50er-Jahren kamen die Rosshaar-Matratzen auf, mindestens bei denjenigen, die Geld hatten.&lt;/p&gt;

&lt;h3&gt;Genug Arbeit auch ohne Schtrewwi&lt;/h3&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Chriss &lt;/strong&gt;wurde bis in die 1970er-Jahre als Einstreue genutzt, Laub von einem einzelnen Zeit&amp;shy;zeugen sogar bis in die 1990er-Jahre. Ein entscheidender Faktor für das Ende dieser Nutzungsform war die Zufuhr von Stroh, die ab den 1950er-Jahren einzusetzen begann; mit der Zeit kaufte man lastwagenweise Strohballen aus dem Waadtland und aus Frankreich. Als zweiter wichtiger Grund für das Ende der Waldstreue werden Veränderungen in der familiären Arbeitsteilung genannt. Die zunehmende Beschäftigung der Männer in der Industrie im Tal hatte für die Frauen eine Doppelbelastung zur Folge, angesichts derer sie sich auf das absolut notwendige zu beschränken hatten: &lt;strong&gt;Sie mussten noch die Landwirtschaft besorgen und hatten eben viele Kinder Sie hatten genug Arbeit auch ohne Schtrewwi und Holz zu holen.&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Martin Stuber / Matthias Bürgi: Hüeterbueb und Heitistähl&lt;/strong&gt;. Traditionelle Formen der Waldnutzung in der Schweiz, 1800 bis 2000. Haupt, Herausgeber: Ruth und Herbert Uhl-Forschungsstelle für Natur- und Umweltschutz, Bristol-Stiftung, Zürich, &lt;a href=&amp;quot;https://paul-schiller-schriftenreihe.ch/&amp;quot; target=&amp;quot;_blank&amp;quot;&gt;www.bristol-stiftung.ch&lt;/a&gt;, Bern, 2011, S.&amp;nbsp; 122 - 127&lt;/p&gt;

&lt;h5&gt;SV, 17. 4. 21014&lt;/h5&gt;
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			<pubDate>Tue, 16 Feb 2021 00:00:00 +0100</pubDate>
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			<link>https://www.walsermuseum.ch/arbeit/waldnutzung/fueaeter-im-wald-318</link>
			<title>Füäter im Wald</title>
			<description>&lt;p&gt;Gerade im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts wurde verstärkt versucht, die Waldweide mittels forstlicher Regulierung zurückzudrängen. Der Wirtschaftsplan über die Burgerwal&amp;shy;dungen in Stalden hält 1938 fest: &lt;strong&gt;Freier Weidgang im Walde ist heute nicht mehr vereinbar mit überlegter Wirtschaftsführung. &lt;/strong&gt;Das Ausmass der Waldweide nahm aber in dieser Zeit teilweise sogar noch zu. Als Visperterminen seine Bewässerungsanlagen mit dem Bau des Gebidemtunnels ausgebaut hatte, wurde viel mehr Boden als Wiesland benutzt, was die Weideflächen im Offenland reduzierte und den Druck auf den Wald erhöhte: &lt;strong&gt;Deshalb wird den ganzen Sommer über im Walde geweidet. Schafe weiden im Frühjahr&amp;ndash;Herbst im Walde, die Ziegen im ganzen Sommer, auch ziemlich Rindvieh in der Nähe der Sommeralpen.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;

&lt;h2&gt;Durchtrainiert wie Gämsen&lt;/h2&gt;

&lt;p&gt;Zahlreiche Gewährsleute berichten über die Tätigkeit der Ziegenhirten, &lt;strong&gt;&lt;strong&gt;Geisshirt&lt;/strong&gt;&lt;/strong&gt;, zu einem &lt;strong&gt;guten Teil &lt;/strong&gt;aus eigener Erfahrung. &lt;strong&gt;Die &lt;/strong&gt;Schulzeit dauerte vom 1. November bis zum 30. April, und schon am 1. Mai galt es &lt;strong&gt;&lt;strong&gt;Geiss hietu&lt;/strong&gt;. &lt;/strong&gt;Jeden Tag mussten zwei Knaben die Ziegen des Dorfs&lt;strong&gt; &lt;/strong&gt;übernehmen, wobei pro Tier ein &lt;strong&gt;&lt;strong&gt;Hietertag&lt;/strong&gt; &lt;/strong&gt;geleistet werden musste. Weil einige Familien keine Hirtenknaben stellten, blieb umsomehr an den anderen hängen. Morgen für Morgen stiegen&lt;strong&gt; &lt;/strong&gt;die Geisshirten mit ihren Ziegen zu den Weideplätzen &lt;strong&gt;über der Wald&amp;shy;&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;grenze: Wir waren ja durchtrainiert wie Gämsen. Das ist unglaublich. Von da bis zuoberst &lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;im Wald ging ich in knapp einer Stunde 1000 Höhenmeter. Ab und zu wurden die &lt;/strong&gt;hirteden Knaben von der Schwester begleitet, was bei einer Zeitzeugin in guter Erinnerung geblieben ist: &lt;strong&gt;Ich habe das genossen, das war fast ein Ausflug.Oben gab es ein &lt;/strong&gt;paar Stunden Ruhe, in denen auch &lt;strong&gt;etwas Träumen erlaubt war; für Freude sorgte der eingepackte Proviant: Die Familien, die man kannte, machten immer einen guten Rucksack. Am &lt;/strong&gt;Abend &lt;strong&gt;galt es die Ziegen vollzählig &lt;/strong&gt;heimzubringen &lt;strong&gt;zum Melken, worauf man einen Teller Suppe &lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;und zwei &lt;/strong&gt;bis &lt;strong&gt;drei &lt;/strong&gt;Franken als Entschädigung erhielt.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Auf diesem Geiss-Zug, der durch den ganzen Wald bis auf über 2000 m ü. M. führte, hinterliessen die Ziegen deutliche Spuren, da sie sich im Vorbeigehen gerne an den Bäumen gütlich taten.20 Einige Zeitzeugen beurteilen den Weidgang der Ziegen allgemein als schädlich für den Wald, da diese die jungen &lt;strong&gt;&lt;strong&gt;Böüm &lt;/strong&gt;&lt;/strong&gt;fast lieber hatten als das Gras. Besonders gerne frassen sie die Zweige und die Rinde, &lt;strong&gt;was &lt;/strong&gt;die Bäume vertrocknen liess. Zu berück&amp;shy;sichtigen ist dabei die Tatsache, dass die Ziegenweide keineswegs immer behirtet erfolgte. Ein Zeitzeuge berichtet, von den &lt;strong&gt;&lt;strong&gt;Voralpa &lt;/strong&gt;&lt;/strong&gt;seien die Ziegen selbstständig hochgeschickt worden. Ein anderer erinnert sich, wie seine Mutter die &lt;strong&gt;Ziegen &lt;/strong&gt;einfach den Berg hinauf-jagte und er sie dann am Abend zurückholen musste. Auch trieb man die Ziegen gerne in offene Waldschneisen hinein, die durch Lawinen entstanden waren. Der hier aufkommende Jungwuchs und anderes &lt;strong&gt;&lt;strong&gt;Chrüüt &lt;/strong&gt;&lt;/strong&gt;wurden von den Ziegen weitgehend abgeweidet.&amp;nbsp; Die Waldwirtschaftspläne von Visperterminen (1928) und Staldenried (1932) heben ebenfalls die beeinträchtigte Naturverjüngung wegen Ziegenverbiss hervor. Hinweise auf das &lt;strong&gt;be&amp;shy;&lt;/strong&gt;trächtliche Ausmass der Ziegenweide lassen sich auch in anderen Waldwirlschaftsplänen finden. In Visperterminen schloss man 1928 in 40 Prozent der burgerlichen Wälder den Ziegenweidgang kategorisch aus, betonte aber gleichzeitig: &lt;strong&gt;Der Weidgang ist sehr gut &lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;geregelt, es herrscht tadellose Ordnung, die Weidetiere bleiben immer zusammen und &lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;sind ständig unter Hirtschaft. &lt;/strong&gt;In Staldenried stellte man 1932 fest, dass die &lt;strong&gt;bisherigen &lt;/strong&gt;Bestimmungen &lt;strong&gt;zur Regulierung &lt;/strong&gt;der Ziegenweide im Wald &lt;strong&gt;nicht streng eingehalten wur&amp;shy;&lt;/strong&gt;den. In Stalden &lt;strong&gt;sprach man sich &lt;/strong&gt;1938 &lt;strong&gt;im &lt;/strong&gt;Interesse der Burgerwaldungen entschieden gegen die erfolgte Propagierung der Ziegenhaltung aus, soweit diese auch eine &lt;strong&gt;vermehrte &lt;/strong&gt;Beweidung des Waldes nach sich ziehen &lt;strong&gt;würde.&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Insgesamt &lt;/strong&gt;erscheint &lt;strong&gt;die Regulierung &lt;/strong&gt;der Ziegenweide &lt;strong&gt;als eine &lt;/strong&gt;Mischung zwischen traditionsgestütztem Laissez-faire, strengem forstlichem Vollzug und &lt;strong&gt;gesellschaftlicher Selbstregulierung. Der eine Förster fragte nichts nach &lt;/strong&gt;und liess &lt;strong&gt;alles als Tradition &lt;/strong&gt;gelten-,&amp;nbsp; der andere drohte, &lt;strong&gt;dem Besitzer einer &lt;/strong&gt;Ziege, &lt;strong&gt;die versehentlich im Bannbezirk weidete: &lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;Noch einmal und dann verhaften sie dich! &lt;/strong&gt;Und &lt;strong&gt;ein weiterer &lt;/strong&gt;Gewährsmann &lt;strong&gt;betonte die Selbstregulierung der Bevölkerung &lt;/strong&gt;unabhängig &lt;strong&gt;vom Förster: Vielmals wachte eben das &lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;Volk selber über seine Gesetze, indem man sich gegenseitig verriet.&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;

&lt;h2&gt;Die Polizei im Haus&lt;/h2&gt;

&lt;p&gt;Im Unterschied zur dichten Überlieferungslage bei den Ziegen finden sich bei den Schafen nur verstreute Einzelangaben. In Zeneggen weidete die Schafherde um 1900 hauptsächlich in den trockenen, felsigen und schlecht bestockten Föhrenbeständen, wo der Holzertrag gering war, &lt;strong&gt;so dass dieser Weidgang als eine Notwendigkeit für die Gemeinde geduldet &lt;/strong&gt;wurde. In Visperterminen wird 1928 ausdrücklich festgehalten, dass bei einzelnen Schafen, die im Herbst im Wald angetroffen werden, nicht gegen deren Besitzer vorgegan&amp;shy;gen werden Soll. Im Zenegger Waldwirtschaftsplan von 1929 wurde das Recht festgelegt, einen Treibweg vom &lt;strong&gt;&lt;strong&gt;Schaffärrich &lt;/strong&gt;&lt;/strong&gt;aus &lt;strong&gt;zu &lt;/strong&gt;benutzen. Ein Zeitzeuge erwähnt die Möglichkeit, für die Weide der Schafe im Burgerwald sogenannte Weiderechte zu ersteigern. Ein an&amp;shy;derer erzählt, wie er beim Schafhüten kurz beim &lt;strong&gt;&lt;strong&gt;Zniini &lt;/strong&gt;&lt;/strong&gt;war, als die &lt;strong&gt;&lt;strong&gt;Schaaf &lt;/strong&gt;&lt;/strong&gt;in die Reben eindrangen, und dann war am Abend schon die Polizei im Haus.&lt;/p&gt;

&lt;h2&gt;Oft in den Wald&lt;/h2&gt;

&lt;p&gt;Hinter der Waldweide des Grossviehs stand ein akuter Nutzungsdruck. Während heute auf der &lt;strong&gt;&lt;a class=&amp;quot;external-link-new-window&amp;quot; href=&amp;quot;http://www.moosalp.info/&amp;quot; target=&amp;quot;_blank&amp;quot;&gt;Moosalpa&lt;/a&gt; &lt;/strong&gt;noch rund 120 bis 130 Kühe gesämmert werden, waren es früher mehr als doppelt so viele: &lt;strong&gt;Und dadurch mussten sie oft in den Wald gehen. &lt;/strong&gt;Beliebte Weideplätze für das Grossvieh waren die Waldlichtungen, &lt;strong&gt;auf sehr vielen Flächen ist dort ja gar kein Wald und dann hatten die &lt;strong&gt;Chie &lt;/strong&gt;genug zu fressen. &lt;/strong&gt;Alpgenossenschaften wie &lt;strong&gt;Kreuzalpa &lt;/strong&gt;oder &lt;strong&gt;Ruschbeck &lt;/strong&gt;besassen Weiderechte für Rindvieh in verschiedenen Waldabteilungen. Gewisse Weiderechte, die an einzelne Waldparzellen gebundenen waren, wurden öffent&amp;shy;lich an die Meistbietenden versteigert, wobei meist die grösseren Viehbesitzer den Zuschlag erhielten. Dabei trieb man die Kühe teilweise nur morgens in den Wald, abends dagegen auf die Weide, sonst &lt;strong&gt;wäre die Milchleistung sehr stark zurückgegangen. &lt;/strong&gt;Allge&amp;shy;mein wird die Grasqualität im Wald als vergleichsweise gering beurteilt, gerade im Hinblick auf die Milch- und Käseproduktion.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Die Waldweide der Kühe erfolgte wie bei den Ziegen meist unter Aufsicht: &lt;strong&gt;Die Hirten waren den ganzen Tag beim &lt;strong&gt;Vee&lt;/strong&gt;. &lt;/strong&gt;Zu erfahren ist aber auch, dass man die Kühe im Wald manchmal einfach gehen liess, &lt;strong&gt;bis man sie nicht mehr hörte.45 &lt;/strong&gt;Ähnlich heterogen sind die Angaben aus den Wirtschaftsplänen: In Stalden klagte man 1903, durch &lt;strong&gt;Beschädigungen der Wurzeln beim Weidgang &amp;ndash; &lt;/strong&gt;dem klassischen Schadensbild des Grossviehs &amp;ndash; habe sich der Rotfäulepilz weiter ausgebreitet. Dagegen wird für die Wälder der Geteilschaft Sala&amp;shy;boden (Visperterminen) 1928 festgehalten, der Weidgang des Rindviehs habe &lt;strong&gt;nie Schaden angerichet. &lt;/strong&gt;Im gleichen Jahr bestand aber offenbar Regelungsbedarf. In den burgerlichen Wäldern von Visperterminen wurde die Waldweide der Kühe neu nur noch in den durch Dienstbarkeiten belasteten Wäldern gestattet, in den anderen jedoch &lt;strong&gt;strengstens unter&amp;shy;sagt&lt;/strong&gt;.&lt;/p&gt;

&lt;h2&gt;Tendenz sich auszubreiten&lt;/h2&gt;

&lt;p&gt;Zahlreiche Gebiete in den höheren Lagen, wo noch in den 1950er- und 60er-Jahren Wald und Weide ineinander griffen, werden heute sich selber überlassen, mit deutlich sichtbaren Folgen: &lt;strong&gt;Der Wald hat ziemlich stark die Tendenz sich auszubreiten. &lt;/strong&gt;Hinter der zunehmen&amp;shy;den Waldfläche standen zum einen die Aufforstungsbemühungen des Bundes. Noch mehr war dieser Prozess eine Folge struktureller Veränderungen ausserhalb des Waldes. Die Bedeutung der Viehwirtschaft verminderte sich mit der im Tal entstehenden Industrie: &lt;strong&gt;Also hier bei uns, in unserem Gebiet war es eindeutig die Lonza; &lt;/strong&gt;zudem erlaubten die neuen Transportmöglichkeiten, Heu und Kraftfutter von auswärts zu kaufen. Auch gab es eine Verschiebung von den &amp;laquo;waldschädigenden&amp;raquo; Ziegen zu den Kühen, die sich nun mit dem zunehmenden Wohlstand auch die etwas Ärmeren leisten konnten. Schliesslich ver&amp;shy;längerte ein neues Schulgesetz im Wallis die Schulzeit, so dass es oft nicht mehr möglich war, einen billigen Ziegenhirten zu finden, der vom Mai bis in den Oktober hinein tagtäglich mit seiner Herde auf die Wanderung zog.&lt;/p&gt;

&lt;h2&gt;Escht abmachen&lt;/h2&gt;

&lt;p&gt;Zur Ergänzung des knappen Viehfutters nutzte man im vorderen Vispertal bis in die 1970/ 80er-Jahre Futterlaub, wobei dasjenige der Eschen am beliebtesten war-, in der einfachsten Nutzungsform wurde einfach das auf den Boden gefallene Laub &lt;strong&gt;&lt;strong&gt;zämugrächet&lt;/strong&gt;. &lt;/strong&gt;Meistens schlug man aber schon vorher die belaubten Äste ab und machte daraus Bündel, &lt;strong&gt;&lt;strong&gt;Fäschsche&lt;/strong&gt;&lt;/strong&gt;, die man auf der Laube, im Speicher oder auch im Freien trocknen liess, später wurden diese &lt;strong&gt;Fäsch&amp;shy;&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;schen &lt;/strong&gt;entweder direkt den Schafen und Ziegen verfüttert, oder aber man klopfte das getrocknete Laub zuerst ab, verrieb es und vermischte es mit &lt;strong&gt;Mäll, &lt;/strong&gt;Mehl als Futter für das Gross&amp;shy;vieh.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ähnlich wie das Laub der Eschen wurde auch dasjenige der Birken genutzt. Wenn die Blätter noch frisch waren, ging man &lt;strong&gt;die Escht abmachen, &lt;/strong&gt;band sie zu Bündeln zusammen, die dann zum Trocknen aufgehängt und im Winter den Schafen, Ziegen und Kühen ver&amp;shy;füttert wurden, aus den vom Vieh übriggelassenen Zweigen &lt;strong&gt;machten sie nachher &lt;strong&gt;Bäsme&lt;/strong&gt;, &lt;/strong&gt;Besen &lt;strong&gt;um den Schtall zu putzen. &lt;/strong&gt;Das Birkenlaub gewann man noch in einer zweiten Form. Im Frühling, wenn das Heu knapp wurde, streifte man die Birkenblätter mit den Händen von den Ästen in den Rückentragkorb &lt;strong&gt;(Tschiffera) &lt;/strong&gt;und mischte sie unter das Futter. Ebenfalls in der &lt;strong&gt;Tschiffera &lt;/strong&gt;heimgetragen und dem Schmalvieh, Kleinevieh (Ziegen und Schafe), &lt;strong&gt;Schmallvee &lt;/strong&gt;als Ergänzungsfutter vorgesetzt wurde das frische Rebenlaub, das anfiel, &lt;strong&gt;wenn man die Reben auslaubte oder ausbrach (Foltru).&lt;/strong&gt;&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;Ausserdem wurde das &lt;strong&gt;Chriss einfach so abgerissen, &lt;/strong&gt;unter das &lt;strong&gt;Mäll &lt;/strong&gt;gemischt und dem Vieh verfüttert. An die Gewinnung von Viehfutter aus Tannenspitzen erinnert man sich im Zusammenhang mit der Heuschreckenplage in den Jahren des Zweiten Weltkriegs, als das Heu zum grossen Teil von den Heuschrecken &lt;strong&gt;(&lt;strong&gt;Schtraffla&lt;/strong&gt;) &lt;/strong&gt;gefressen worden war. Man ging mit der Rebschere in den Wald und füllte ganze Säcke mit &lt;strong&gt;Tanne-Schpitze, &lt;/strong&gt;wobei die Kühe mit solchem Futter natürlich weniger Milch gaben.&lt;/p&gt;

&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Martin Stuber / Matthias Bürgi: Hüeterbueb und Heitistähl&lt;/strong&gt;. Traditionelle Formen der Waldnutzung in der Schweiz, 1800 bis 2000. Haupt, Herausgeber: Ruth und Herbert Uhl-Forschungsstelle für Natur- und Umweltschutz, Bristol-Stiftung, Zürich, &lt;a href=&amp;quot;https://paul-schiller-schriftenreihe.ch/&amp;quot; target=&amp;quot;_blank&amp;quot;&gt;www.bristol-stiftung.ch&lt;/a&gt;, Bern, 2011, S.&amp;nbsp; 117 - 122&lt;/p&gt;

&lt;h5&gt;SV, 9. 4. 21014&lt;/h5&gt;
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			<pubDate>Tue, 16 Feb 2021 00:00:00 +0100</pubDate>
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